08 June 2014

61. Dubai - Muscat


Dubai, 21. April – 5. Mai

Nach erstmaligem 6 monatigen Aufenthalt in den Philippinen (vorher waren es immer nur höchstens deren 4) und dem positiven Kommentar meines Condo Besitzers in Manila, dass er all meine Möbel kaufen will, freue ich mich sehr, wieder einmal auf Reisen gehen zu können. Diesmals geht es erstmals in den mittleren Osten (nach UAE und Oman) und dann noch einen Monat nach Sri Lanka, das ich bis jetzt nur vom Arbeiten vor 15 Jahren her kenne. Am Schluss gibt es dann noch meinen fast schon obligaten Aufenthalt in Bangkok.

So geht es am 21. April mit einem gemütlichen Zwischenstop in Kuala Lumpur Richtung Dubai. Vollle 2 Wochen in dieser Stadt habe ich mir vorgenommen, um diese zu besichtigen und mir ein Bild machen zu können von diesen speziellen Umständen hier (von 0 auf 100 in 40 Jahren...). So präsentiert sich mir denn Dubai in den nächsten Tagen so, wie ich es noch in keiner meiner vielen schon besichtigten Millionenstäde erlebt habe: In einer Mischung aus Los Angeles 2030 reloaded, Captain Future und arabischer Fata Morgana reihen sich fantasievolle und mondäne Wolkenkratzer entlang den grosszügigen mehrspurigen Strassen. So fällt auch der Bau einer Eisenbahnlinie entlang des zentralen Highways wegen der enormen Grösse kaum auf. Ich bin begeistert von der Architektur, überwältigt vom gewaltigsten Hotel der Welt, verloren in der grössten Mall der Welt, befremdet von der Indoor-Skipiste, beeindruckt vom höchsten Gebäude der Welt, aufgeregt in der einzigen führerlosen Metro der Welt und erschlagen von all diesen anderen Superlativen in dieser grössten und teuersten Oase der Welt. Alles gibt es hier zu finden, zumindest alles, was man mit Geld machen kann....nur eines finde ich partout nirgends in der ganzen Stadt...nämlich Atmosphäre, Charakter und Leben.......!!!!! Das hängt wohl zum einen damit zusammen, dass in dieser immer noch ziemlich konservativen islamischen Gesellschaft Öffentlichkeit anders definiert wird, zum anderen aber auch mit dem Fehlen jeglicher historischen Quartiere, die mir in anderen Städten immer so charmant erscheinen. Da die paar Emiratis (es gibt in Dubai nicht mal 20 % an der  Gesamtbevölkerung) neben den vielen zusätzlichen Touristen fast verschwinden und lieber andere arbeiten lassen, so komme ich mir im täglichen Leben fast vor wie in den Philippinen, einfach nur versetzt in die Supermoderne: Ich werde an den meisten Orten nur von Filipinos bedient (zumindest an den Orten ohne grossen Verkaufsaufwand), die immer etwas staunen und Blitze von Heimweh erkennen lassen, wenn ich sie in deren Sprache anspreche. So weiss ich bis heute nicht, was denn emiratische Gastfreundschaft wirklich ist, nur die Filipinos glänzen wieder mal durch ihr ganz eigenen Kompetenzen. So hat sich beispielsweise folgender Dialog ergeben:

Markus im Reisebüro, Filipina am Schalter:
Markus: Hello
Filipina: (schaut leer durch mich hindurch) ......
Markus: Do you offer a 1 day tour to Abu Dhabi ?
Filipina: You want big bus or small bus ?
Markus: Oh big bus would be great !
Filipina: Sorry Sir we don’t have
Markus: ….. (verlässt grusslos den Laden)
Filipina: (schaut leer durch mich hindurch) ......

Nach diesem eindrücklichen Beispiel filipinischen Geschäftssinns muss ich erstmals auf meiner Terrasse verschnaufen und beim Nachtessen den unvergleichlichen Sonnenuntergang geniessen.

Dank des hervorragenden öffentlichen Verkehrs besuche ich jeden Tag eine andere Gegend in dieser wirklich sehr speziellen Stadt, bis ich mich jeweils von der Backofenhitze geschlagen geben muss und mache auch Ausflüge nach Abu Dhabi und in andere Emirate und kann nach 2 Wochen doch einen guten Eindruck gewinnen. Dabei stelle ich für mich selbst folgendes fest:
•    In Dubai und Abu Dhabi sind die gleichen Herrscherfamilien schon seit 200 Jahren “im Amt“ und haben in beeindruckender Weise den Übergang geschafft von einem ärmlichen Wüstenstaat zu Städten von Weltruf. Das politische System hat zwar mit Demokratie gar nichts am Hut (es ist einiges näher an einer Diktatur), aber immerhin sind es offensichtlich Herrscher, die bei diesem riesigen Reichtum dank des Öls ihr eigenes Volk sowie die Zukunft des Volkes nicht vergessen haben (zum Beispiel durch grosszügige Investitionen in Bildung und Gesundheit, moderne Infrastruktur). Kein anderer Ölstaat auf der Welt (neben ähnlichen Beispielen im Mittleren Osten) hat das nur annähernd zustande gebracht !
•    Beide Städte sind das vermutlich grösste Spielfeld für kreative Architekten auf der Welt und unzählige Bauten haben mich durch ihre grosse Kreativität beeindruckt (siehe dazu einige Bilder)
•    Die Städte sind für mich seelenlos und ohne jeglichen Charakter. So nennt sich der Ort, an dem mein Hotel ist: Deira City Centre, das allerdings nur aus einem Einkaufszentrum, einer Strassenkreuzung, einigen Bürotürmen und einer U-Bahnstation besteht.....
•    Nach 2 Wochen habe ich allerdings von diesem Pomp und Protz, überall die weltbesten sein zu wollen, die sich mit Geld alles erlauben zu können meinen und das auch gerne zeigen, jedoch schlicht die Nase voll. So weicht denn meine ursprüngliche Begeisterung einer Ernüchterung: “die spinnen, die Emiratis“ !

Muscat, 5. – 13. Mai

So bin ich denn froh, nach 14 Tagen und mitlerweile steigenden Temeraturen (es kommt mir vor, als ob deren ihr Allah morgens um 9 den Backofen anschaltet und das ganze Land so richtig einheizt) in den Bus zu steigen und in einer interessanten Fahrt durch die Wüste und durch Felsmassive ohne jegliche Vegetation nach Muscat in Oman zu fahren. Oman ist ein riesiges Land, fast so gross wie Deutschland und hatte vor 40 Jahren 10 km asphaltierte Strasse, 2 Grundschulen und 1 weiterführende Schule im ganzen Land ! Dank des Öls und einer offensichtlich ebenfalls nicht zu egoistischen Herrscherfamilie (ihr eigenes Boot ist mit 155 Metern ja auch nur das viertgrösste der Welt) trifft man heute in Oman auf einen zwar wesentlich konservativeren, aber doch stark entwickelten Staat. In Muscat fehlen Hochhäuser fast vollständig und viele Jobs (beispielsweise Taxifahrer) können per Gesetz nur von Omanis ausgeführt werden. Das ist für mich als Aussenstehender zwar beeindruckend, aber wieso dass ich Skype nicht benutzen kann, weil das offensichtlich von der Regierung geblockt wird, verstehe ich nun überhaupt nicht.

Touristisch bietet Muscat fast nichts, was einen Aufenthalt von mehr als 2 Tagen rechtfertigt. Da ich als Mann alleine reise, fällt mir der Zugang zu den Omanis leicht und die sind durchaus symathisch und interessiert. So ergibt sich unter dem schattenspendenden Baum in einem Quartier auch eine interessante Diskussion natürlich ganz unter Männern. Zusätzlich gibt es keinen öffentlichen Verkehr, nur die wenigen bedauernswerten Geschöpfe, wie die indischen Gastarbeiter und ich, teilen uns die teuren Taxis. Da ich das Hotel aber schon für 8 Tage reserviert habe, unterhalte ich mich mit den Filipinos (mit wem den sonst) in den wunderbar gekühlten Coffee Shops (hier natürlich mit mondänen Ledersesseln, so dass es riecht wie in der Vorstandsetage einer Schweizer Grossbank) und lerne halt mehr über das Leben als OFW.








 





Bilder aus Muscat





28 March 2014

60. Landleben - erstes Fazit


Wie ich im Blog vorher schon geschrieben habe, bin ich nach über 6 Jahren in Manila südlich von Cebu City in den Visayas umgezogen: Von einer überaus urbanen Umgebung in die Provinz, von einem Condo Tower in ein eigenes Haus, von einer schmutzigen und lärmigen Umgebung zu einer Umgebung mit Hunden, Katzen, Vögeln und Fröschen...

Ich wollte dieses Experiment einfach angehen, weil mir bestimmte Teile des Lebens in Manila schon ziemlich auf den Nerv gegangen sind: Es ist sehr schmutzig, lärmig und es stinkt häufig, die Strassen sind voll Elend und Sport ausserhalb des Gyms zu betreiben grenzt schon fast an Selbstmord.

In meiner neuen Umgebung ist es zwar nicht mehr so bequem, ich kann nicht mehr nur nach unten in die Mall gehen um zu essen, ins Kino zu gehen oder Bowling zu spielen, dafür kann ich hier mit dem Mountain Bike in die Berge fahren, mit dem Motorrad schöne Touren unternehmen und die Fischhändler sind direkt um die Ecke. Um mit dem Taxi oder dem Motorrad in die Stadt Cebu zu fahren benötige ich 30 Minuten (für nicht so in den Philippinen bewanderte: öffentlicher Transport ist, gelinde gesagt, etwas rudimentär ausgebaut).

So musste ich mein Leben schon umstellen, bin aber sehr froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe, der für mich persönlich einhergeht mit einer klaren Verbesserung meiner Lebensqualität. Daran denke ich jeden Tag, wenn ich draussen im Garten sitze und in die Natur schaue. Solch einen Luxus mit dieser guten Luftqualität gibt es in Manila auch in den allerbesten Quartieren nicht...

Ebenfalls  habe ich es das erste Mal in über 6 Jahren auch geschafft, ganze 6 Monate am Stück in den Philippinen zu bleiben. Ich bin nun aber doch froh, dass ich gegen Ende April das Land wieder verlasse und andere Kulturen einatmen kann. Die Reise wird mich unter anderem in den Mittleren Osten und dann noch in ein mehrheitlich buddhistisches Land führen, bevor es nach über 2 Monaten wieder zurück in die Philippinen geht. Bis dann wünsche ich dem interessierten Leser eine gute Zeit !

12 February 2014

59. Mein Abstieg geht weiter...


Mein Auswandererleben ist traurig, denn mein Abstieg geht seit nunmehr über 6 Jahren kontinuierlich weiter: War ich anfangs noch im 30. Stock untergebracht, habe ich es beim zweiten Versuch nach 4 Jahren in den lediglich 16. Stock gebracht. Nun steht wieder ein weiterer Umzug vor der Tür, und nun geht es sowohl geografisch weiter runter aber auch nur noch ins Erdgeschoss und den ersten Stock. Traurig nicht ?

Im Klartext heisst das, dass ich nach über 6 Jahren Manila verlasse und mich im Süden von Cebu City im Herzen der Philippinen niederlasse. Erstmals in meinem langen Leben habe ich es endlich geschafft, nun endlich in ein eigenes Haus zu ziehen ! Das Schmuckstück ist ruhig gelegen und nur 100 Meter vom Meer weg. Leider werden die schönen Sonnenuntergänge der Vergangenheit angehören, denn ich bin auf der Ostseite der Insel Cebu. Ich denke, das ist aber zu verschmerzen. Näher als in Manila sind auch die Berge, mit denen ich wohl noch etwas vorhabe... Auf jeden Fall ist die Luftqualität massiv besser, denn lediglich wenige Motorräder passieren in der nahegelegenen Nebenstrasse... ich hoffe, dass sich das auch in meinem Aufwand niederschlägt, die Unterkunft zu reinigen...

Leider muss ich mich damit abfinden, mehr zu kochen, da das nächste nur halbwegs vernünftige Restaurant weit weg liegt ! Dadurch, dass die nächsten Fischhändler ihre Stände nur wenige Schritte von meinem Haus entfernt haben, hoffe ich, mich zumindest gesünder zu ernähren...

So ziehe ich aus diesem mir manchmal schon fast liebgewonnenen Moloch Manila weg aufs Land und freue mich sehr auf diese Veränderung !




27 January 2014

58. Sonnenuntergang in Manila


Schon sind bereits wieder mehr als 3 Monate verstrichen seit meinem letzten Blog Eintrag und eigentlich ist nichts wesentliches passiert. Nach meinem obligaten 1 monatigen Aufenthalt am Meer in den Philippinen und eines geruhsamen Jahreswechsels in Cebu bin ich nun in Manila und komme bezüglich meiner nächsten Schritte im Moment auf keinen grünen Zweig:

  • Eigentlich sollte ich mich im Januar entscheiden, ob ich im April / Mai an einer Bergbesteigung im Himalaya teilnehme, jedoch grausen mich die kalten Nächte im Zelt....
  • Eigentlich sollte ich mein Buchprojekt weiterführen, jedoch graust mir die viele Detailarbeit, die es für den letzten Schliff noch braucht....
  • Eigentlich möchte ich gerne ein Haus auf Cebu mieten (mein erstes in meinem Leben), jedoch kommt die Suche nicht voran....

So marschiere ich durch die riesige Stadt, die ausnahmsweise sehr kühl ist und wie gemacht für lange Spaziergänge, um meine Gedanken zu ordnen und endlich zu einem Entscheid zu kommen (den es auch bald geben wird). Trotz allen Zwistes mit mir, es gefällt mir immer noch ausserordentlich, mein Leben selber zu gestalten ohne vorgegebene Einschränkungen jedwelcher Art.... So hat es sich auch nicht vermeiden lassen, dass ich auf diesen Spaziergängen einige nette Fotos schiessen konnte von Sonnenuntergängen in Manila, wenige Minuten von meiner Unterkunft weg...










10 October 2013

57. Nepal 2



Dann kommt aber für mich der kleine grosse Moment: Nach weiteren Übernachtungen auf 4300 und 4800 Metern (immerhin der Gipfel von Mont Blanc) kommt dann die Königsetappe: auf einem guten, jedoch verschneiten und gefrorenen Wanderweg auf den Pass mit dem Namen Thorong La auf der Höhe von 5416 Metern ! Noch nie in meinem Leben war ich über 5000 Metern unterwegs. Leider ist das (neben dem kleinen Teehaus mit heissem Tee für 2 Dollar die Tasse) nicht grad ein heimeliger Ort und so steige ich bei kaltem Wind nach dem obligaten Gipfel- oder Passfoto schnell wieder ab, in die Nebelsuppe von Mustang, der auf den 1600 Höhenmetern auch noch etliches an Regen von sich gibt.

Nach einem harten und nassen Abstieg ins Dorf Muktinath nimmt mich die Zivilisation aber bereits schon wieder in Griff: Empfangen von vielen hinduistischen Pilgern und einer Strasse, die diese soweit nach oben bringt, ist eigentlich alles da, was man als einsamer Wanderer im Himalaya nicht unbedingt sucht. So laufe ich grösstenteils wieder auf der zum Teil unglaublich schlechten Strasse die nächsten Tage bergab durch Mustang. Die nicht so tolle Motivation macht sich wieder breit: Die Sicht ist nicht die beste und entlang oder auf der Strasse zu wandern ist leider auch nicht so der Hit. Zusätzlich machen mir leider die mittlerweilen operierten Schuhe immer noch Probleme. Die Aussicht auf Upper Mustang ist aber beeindruckend und absolut unerwartet, da die Landschaft hier fast wüstenhaft ist, was damit zu tun hat, dass sie im Windschatten des Annapurna Massivs liegt. So habe ich wenigstens Zeit mir zu überlegen, ob ich es im Himalaya mal mit einem Trekking Peak versuchen soll (später in Kathmandu sagen sie mir, dass ich mich dazu bis im Januar 2014 entscheiden müsse...mal sehen....). Nach einigen Wandertagen komme ich dann im Dorf Tattopani an, was soviel heisst wie heisses Wasser. Ja tatsächlich, hier gibt es eine heisse Quelle und Becken, wo man sich reinlegen kann. So liege ich dann in diesem heissen Wasser und überlege mir, ob ich morgen die 1700 Meter Anstieg Richtung Annapurna Base Camp noch in Angriff nehmen soll mit der Ausicht, dass die Sicht nicht besser werden wird. Ich entscheide mich dagegen, was sich als weise Entscheidung herausstellt, da wenig später die Ausläufer des indischen Typhoons voll spürbar werden und es in Nepal 36 Stunden voll durchregnet respektive schneit.

So besteige ich nach 2 Wochen Wanderung wieder den Bus zurück nach Pokhara in die richtige Zivilisation, lasse es mir nochmals in Pokhara und Kathmandu (immer mit Shopping verbunden) gutgehen und verbringe auf dem Weg zurück nach Manila nochmals eine Woche in Bangkok.

Mein Fazit (Dank meiner Uhr kann ich für einmal Zahlen sprechen lassen):
Im Gesamten 7'500 Höhenmeter hoch und 7'000 Höhenmeter runter, bei einem durchschnittlichen Stundenschnitt von 141 Höhenmeter hoch und 131 Höhenmeter runter. Da gefällt mir der Spruch auf einem T Shirt sehr gut: Nepali flat: little bit up, little bit down.....

Wie erwartet haben mich diese unglaublichen Landschaften fasziniert, wo man leibhaftig alle 3 Dimensionen spürbar erleben kann: Weite, Höhe und Tiefe. Weiter haben mich natürlich die Menschen beeindruckt, die in diesen abgelegenen Tälern ein sehr einfaches Leben unter sehr harten Bedingungen leben. Immer wenn es die Wolken zugelassen haben, war ich natürlich auch fasziniert von diesen riesigen Schnee- und Eiskolossen, die tatsächlich bis in den Himmel wachsen. Wenn man in einem Tal auf 2500 Metern wandert und zu einem Berg hochschaut, der nicht weit entfernt ist und über 5000 Meter höher gelegen ist, dann ist dieses Erlebnis vermutlich weltweit einzigartig. Leider war die Strasse bis auf 3 Tage über den Pass omnipräsent und hat mein persönliches Wandererlebnis stark reduziert. Will man es den lokalen Leuten aber verübeln, dass sie sich ökonomisch weiterentwickeln wollen, nur damit man selber ein tolleres Naturerlebnis haben kann ? Vermutlich nicht. Die Touristen kommen trotzdem, einfach eine andere Klientel, die sich in kurzer Zeit hinfliegen lassen um für teures Geld in einer Wanderkolonne mit Trägern und Führern nach Upper Mustang zu wandern. Für mich selber kann ich da nur sagen: Leider einige Jahre zu spät !






















in Pokhara










08 October 2013

56. Nepal 1




Nach einem 5 tägigen Aufenthalt in Kuala Lumpur lande ich am 19. September in Kathmandu. Schon der Anflug war sehr wolkenverhangen und lässt für die nächsten Wochen nichts Gutes ahnen, was sich leider noch bestätigen wird. Nach einem Einkaufsbummel in Kathmandu, wo ich mich noch mit einem Schlafsack und anderen Kleinigkeiten ausrüste geht es per Bus nach Pokhara, das wunderschön an einem traumhaften See gelegen ist. Natürlich befindet sich auch mein Hotel direkt am See, so dass ich mich noch das letzte Mal so richtig verwöhnen lassen kann.

Haben mir die vielen Touristen in Pokhara doch etwas zugesetzt, so bin ich positiv überrascht, dass sich frühmorgens nur eine Handvoll auf dem Busbahnhof (einem grossen Dreckplatz) in Pokhara einfinden, der uns an den Anfang des Annapurna Circuit Treks nach Besi Sahar bringen soll. So bin ich denn erstmal vorsichtig optimistisch, was die Anzahl Trekkers anbelangt. Leider beginnt es kurz nach Ankunft bereits zu regnen, was denn auch schon einiges verspricht. Am nächsten Morgen zeigt sich das Wetter dann jedoch von seiner besten Seite und ich laufe voller Zuversicht los, wie erwartet und erhofft als einziger Trekker weit und breit. Langsam zeigen sich dann auch die wenigen anderen Trekker, die mit mir gestern auch auf dem Bus waren. So ist dann auch der erste Abend in Gesellschaft zweier Holländerinnen in einem schon ziemlich abgelegenen Kaff namens Ghermu sehr nett.

Weitere 4 Tage geht es das gleiche Tal weiter bis zu einem Dort namens Manang, das bereits schon auf 3500 Metern liegt und wo man klassischerweise einen Akklimatisationstag einlegt. Neben dem launenhaften Wetter, das die grossen Berge meist wolkenverhangen lässt und meinen Schuhen, die ungewollt sehr schmerzhafte Druckpunkte haben und ich später eigenhändig mit dem Sackmesser rausschneide, drückt auch die Strasse, auf der man ständig läuft oder zumindest in Sichtweite ist, nicht gerade positiv auf meine Stimmung. Immer wieder aber bringen es die Einheimischen fertig, mich in gute Laune zu bringen, seien es die einfachen Träger, die bis zu 70 kg tragen, die Kinder, die mir überall sehr nett begegnen oder meine diversen Schlummermütter in diesen Hotels (so heissen die, eigentlich sind es aber eher gut ausgestattete Bretterbuden mit einem Einheitsmenu). Die wenigen Augenblicke, in denen ich aber diese riesigen Schnee- und Eisberge sehe, die tatsächlich bis in den Himmel ragen (vom Trek aus sieht man die 3 Achtausender Manaslu, Annapurna I sowie Daulaghiri) sowie die grossartige Landschaft spornen mich aber immer wieder an, am Morgen aus dem warmen Schlafsack zu steigen und weiter zu gehen. Die Worte “abgelegenes Tal“ finden hier wirklich eine ganz andere Bedeutung: Noch nie im Leben bin ich 5 Tage lang in ein Tal rein marschiert, indem sich die Landschaft fast stündlich ändert, von einem weiten fruchtbaren Tal über einen schroffen Canyon bis zu einer wüstenhaften Einöde. Ich beginne die Leiter der Annapurna Expedition Maurice Herzog und Louis Lachenal von 1950 zu verstehen, die mit einer 150 Mann starken Trägertruppe in diesen tiefen Tälern drin zuerst einmal ihren Berg finden mussten, bevor sie sich daran machen konnten, ihn auch zu besteigen.