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Das Timing scheint wieder einmal gerade richtig zu sein: Am Nachmittag braust der erste richtig ernsthafte Sturm des Jahres über Manila hinweg und richtet erhebliche Schäden an. Am Abend, als ich zum Flughafen fahre, ist jedoch wieder Idylle angesagt und nur noch eine Unzahl von Palmwedeln und umgeknickten Beleuchtungsmasten erinnern an den sehr heftigen Wind.
So belebt die Strassen hier sind, so traurig wirkt der riesige überdimensionierte Terminal, der wegen Misswirtschaft nicht fertig gebaut werden konnte. So muss ich denn in einem einsamen kleinen Coffee Shop wie inmitten einer Baustelle auf meinen Flug warten, bevor es dann abends um 9 endlich nach Jakarta geht auf meine 2-monatige Reise quer durch Indonesien.
Jakarta, 7. - 11. Juli
Der erste Eindruck von Jakarta ist etwas ernüchternd: Erstens kann ich mich seit dem letzten Mal an gar nichts mehr erinnern, ein Stadtzentrum im klassischen Sinne fehlt völlig (hier haben Manila und Bankgok wesentlich klarere Gebiete, die man als Zentrum bezeichnen kann) und der Verkehr ist selbst im Vergleich zu diesen beiden Städten enorm und chaotisch. Zum ersten Eindruck kommen dann noch die gesamte männliche Hotelbelegschaft, die mit mir im Restaurant am grossen Bildschirm mitten in der Nacht das Halbfinalspiel der Fussballweltmeisterschaft Deutschland - Spanien schauen und alle ohne Ausnahme und ohne Unterlass rauchen (!), die meisten davon diese stark riechenden (oder stinkenden) Nelkenzigaretten mit dem verführerischen Namen Gudang Garam. So schaue ich mir das Spiel durch das halb vernebelte Restaurant durch an, schnaufe durch einen Stofflappen und bin froh, dass es nicht auch noch in die Verlängerung geht und ich somit meine Leidenszeit etwas abkürzen kann. Da meiner Meinung nach auch das bessere Team gewonnen hat und ich mich für meine beiden Büchsen Bier um stolze 11 USD erleichtert habe kann ich zumindest in den Schlaf der Seeligen fallen.
In den nächsten Tagen besichtige ich Jakarta hauptsächlich zu Fuss und im Bus. Ich bin dabei froh um die etwas tiefereren Temperaturen als in Manila, trotzdem rinnt der Schweiss auch hier nach einer Weile ganz nett aus den Poren. Die Restaurantdichte hier ist absolut mickrig, nur mit Mühe finde ich jeweilen etwas zum Essen. Dabei habe ich mich so auf frisches Essen gefreut, etwas, das in Manila leider äusserst rar ist. Die so beliebten Kettenrestaurants liefern ihre Ware meist vorgekocht, so dass man dann im Restaurant nur noch aufgewärmte Kost kriegt. Aber immerhin hat man dort überall die Quahl der Wahl....
Das Reiseprogramm für die nächsten 8 Wochen steht auch endlich: So gehts zuerst nach Makassar, dem früheren Ujung Pandang auf Sulawesi, dem früheren Celebes, wo ich dann ganz nördlich bis Manado reisen werde. Mit dem Flugzeug soll es dann nach West-Timor gehen, von wo ich dann über Flores, Komodo, Sumbawa, Lombok und Bali zurück nach Jakarta reisen werde. Mal schauen, was sich da so alles realisieren lässt.
Insel Sulawesi, 11. Juli – 1. August
Also erstmals geht es mit dem Flieger von Jakarta über Surabaya nach Makassar, eine Stadt, die selbst dem neugierigen Touristen nur wenig Optionen lässt als bald wieder abzureisen. Immerhin kann ich hier vom Bett aus den Fussball WM Final in Südafrika sehen, muss dann aber morgens gegen 5 die Segel streichen und verpasse so das entscheidende Tor um wenige Minuten. Naja.... So nehme ich nach einem Besichtigungstag den Bus nach Rantepao in Zentral-Sulawesi. Vom Bus selbst bin ich überwältigt, denn was ich da an Beinfreiheit geboten kriege, schlägt selbst Swiss in der Business Class. Die Strassen selbst sind ein anderes Thema, mich wundert es auf jeden Fall, wie es der Fahrer fertigbringt, dieses riesige Gefährt über Strässchen zu fahren, die man in der Schweiz knapp als Feldweg auszeichnen würde... Um Rantepao leben die Tana Toraja, ein Volk, das bekannt ist für ihre ungewöhnlichen Beerdigungsrituale und so besuche ich gleich am nächsten Tag nach dieser 11 stündigen Schüttelbechertour eine Beerdigung sowie die auch ungewönlichen Orte für die sterblichen Überreste wie Höhlen, innerhalb von Felslöchern, an Felswänden aufgehängt, an Bäumen angemacht und so weiter. Nach einem weiteren Tage ausgiebigen Staunens geht die Reise weiter nordwärts hauptsächlich durch Dschungel über Bergstrassen, die vom Regen zum Teil regelrecht weggewaschen wurden und nur notdürftig geflickt sind im Kleinbus in 13 Stunden ins Dorf Tentena, das während den Unruhen in Zentral-Sulawesi bis vor 4 Jahren das Zentrum des christlichen Widerstandes war. Gar nicht auszudenken, dass die Leute in diesem friedlichen und gemütlichen Dorfe nett an einem See gelegen auch gewalttätig werden können, denn überall werde ich sehr freundlich begrüsst und von den Kindern mit "Hello Mister" willkommen geheissen. Ebenfalls auch angenehm, anders als in meinem Gastland, wo, falls überhaupt, meistens nur von hinten gegrüsst wird, weil die Leute zu schamhaft sind und wenn man angesprochen wird, dann meistens nur aus niederen ökonomischen Beweggründen.
Nach einem weiteren erholsamen Tag führt die heutige 7 stündige Fahrt wieder ans Meer nach Ampana, dem Ausgangspunkt der Schiffsreise auf die Togean Inseln. Das Boot selbst übertrifft dann selbst die kühnsten Vorstellungen einer philippinischen Schiffsreise, denn der hoffnungslos be- / überladene uralte Holzkahn läuft vermutlich schon bei kleinem Seegang voll. So passiert denn auch auf der Überfahrt auf der spiegelglatten See nichts ausser dass ich mir wieder mal einen Sonnenbrand an Stirn und Arm hole, da es für mich unmöglich ist, mich im Inneren dieses sehr stickigen Bootes aufzuhalten und so entscheide ich mich halt statt für die Sauna für die kühlende Seebrise und den Sonnenbrand.
Der erste Teil des Inselaufenthaltes auf der stimmungsvollen Insel Namens Kadidiri gestaltet sich dann leider nicht so positiv, denn ausser ein paar netten Touristen und lokalen Angestellten, mit denen ich mich jeweils am Abend zum Arak trinken (eigengebrauter Palmschnaps unbekannter Konzentration) auf dem Ponton treffe, fühle ich mich eingesperrt in einem muffigen Touristenghetto zwischen dichtem Dschungel und Meer, der einzige Freilauf besteht aus einem schmalen Streifen Sand von knapp 100 Metern Länge. So lasse ich mich trotz eines unglaublichen Preises von 11 USD für die Notunterkunft (weil alles andere schon voll ist und man als Einzelreisender im Bungalow frecherweise auch das zweite Bett bezahlen muss) und allen Mahlzeiten inbegriffen schon bald wieder ins Hauptdorf Wakai (nicht zu verwechseln mit Waikiki...) zurückschiffen und verbringe dort eine wunderschöne eindrückliche Zeit mit zwar sehr armen, aber trotzdem sehr offenen und warmherzigen, fröhlichen und wie mir scheint ausgeglichenen Menschen. Das in meiner sehr einfachen Unterkunft, wo ich angenehmerweise der einzige Gast bin und wo nachts um 2 mein um 50 cm zu kurzes Bett zusammenbricht und mich partout niemand von den von mir aufgeweckten jungen Damen des Hauspersonals in mein Zimmer begleitet um mir zu helfen, auch nur am Rande. Aber eben in Asien geht es dann halt immer irgendwie und so werde ich doch nach einigem Zögern und Hin und Her in ein neues Zimmer begleitet, dessen Bett dann auch länger ist und tatsächlich die restlichen Stunden bis zum Morgen durchhält. Dass das Bett auch nur aus einem Holzrost besteht auf dem eine dünne Schaumgummiunterlage liegt und man dementsprechend gerädert aufwacht ist dann schon fast Nebensache. Aber was will man für 6 USD auch mehr erwarten....
Der zweite Teil der Schiffsreise auf die gegenüberliegende Seite der Inseln zurück nach Sulawesi verläuft dann dafür sehr gediegen auf einer netten kleinen Fähre, wo für ein kleines Entgelt und aufgebauten Beziehungen der Kapitän seine Kabine räumt und sie mir und einer englischen Mitreisenden (natürlich auf einer zweiten Matraze haha) für die Dauer der 12 stündigen Schiffsreise überlässt. Da wir schon sehr früh am Morgen im Hafen von Gorontalo ankommen, entscheide ich mich, gleich weiter in die Stadt Manado zu fahren.
Manado gefällt mir als Stadt ausserordentlich gut: Sehr nett und gemütlich und mit wiederum sehr netten (und teilweise auch sehr hübschen) Bewohner / -innen aber mit zum Teil fast zuuu vielen "Hello Mister" lasse ich es mir hier gutgehen, organisiere die Flüge für die Weiterreise und bereite mich auf meine (wieder mal) Tauchferien auf der bei Tauchern weltbekannten Insel Bunaken vor.
Die Taucherei erfüllt meine hohen Erwartungen ganz: Klares Wasser, grosser Korallen- und Fischreichtum und das bei Tauchgängen meist entlang von abfallenden Wänden (wall dives) oder auf sehr vielseitigen Plateaus. So werden diese 5 Tage in einem tollen Resort direkt am Wasser zu einem riesen Hit, zusätzlich mit sehr netten Gästen und wunderbaren Gastgebern.
Das ist nun schon das Ende auf Sulawesi und es geht mit dem Flieger via Makassar nach Kupang auf der Insel Timor. Bis nach Makassar ist ja noch alles wie sonst, aber wieso dass die dann am Transferdesk so stressen obwohl ich eigentlich noch mehr als 2 Stunden Zeit hätte bis zum planmässigen Boarding wird mir erst bewusst, als mir der nette Mitarbeiter der Fluggesellschaft Merpati erklärt, dass ich bereits der letzte Gast sei ! Mhh diese Hirnis haben kurzfristig auf August den Flug um etwa 3 Stunden vorverlegt und nur dank der notorischen Verspätung habe ich es überhaupt noch auf den Flieger geschafft. Der Flieger: oh je ein Propellermodell und dazu beim Einsteigen eine brütende Hitze ! Das Ding hat tatsächlich keine Klimaanlage !! So safte ich auch 30 Minuten nach dem Start und nur leicht angehaucht von den beiden mikroskopisch kleinen Luftdüsen bei gemessenen 32.5 Grad vor mich hin. Natürlich ist die Flugzeit auch nicht geplante 1 1/4 Stunden sondern beträgt in diesem Krüppelding fast 2 Stunden. Immerhin ist es kurz vor der Landung nur noch 31 Grad warm.... Dafür die Freude nach dem Aussteigen: Es ist erfreulich frisch !!!
1: Jakarta day and night
2-6: Tana Toraja, Sulawesi
7-9: Tentena
10-13: Togean Inseln
Nach langer Zeit habe ich endlich wieder mal das Bedürfnis, eine Reise innerhalb der Philippinen zu machen und zwar auf Inseln, auf denen ich zuvor noch nie war. Das ist zwar bei immerhin 7’107 Inseln nicht so schwer, trotzdem handelt es sich bei den Inseln, die ich besuchen werde, zum Teil um grössere und nennen sich Samar, Leyte und Biliran.
Das Schöne für mich an einer Reise in den Philippinen ist, quasi zuhause auf Reisen zu gehen, das heisst, dass man nach so langer Zeit in diesem Land natürlich die Eigenheiten des Landes und der Leute gut kennt. Das hat zwar seine Vorteile, auf der anderen Seite bleibt natürlich der Exotikwert ein bisschen auf der Strecke. So bin ich denn nach einem knapp einstündigen Flug, der mich von Manila ganz in den Süden der Hauptinsel Luzon, nach Legaspi, bringt, beim Aussteigen schon etwas erstaunt, als ich glaube, ich sei mitten im Südpazifik auf der Insel Fiji gelandet: Ein abgeschiedener kleiner Flughafen flankiert von unzähligen Palmen, ein wunderbares Klima sowie dem perfekten konischen Vulkan Mount Mayon als Nachbar. Reiseherz, was willst du mehr !! Meines will leider noch mehr, denn nach einer kurzen Fahrt im Tricycle (Motorrad mit überdachtem Seitenwagen) und der Ankündigung der Receptionistin im Hotel, dass es noch über 3 Stunden wegen Strommangel keinen Strom gebe und daher auch nicht die für mich lebenswichtige Klimaanlage, muss ich mich auf direktem Wege ins nächste Shopping Center begeben um mich abzukühlen. Ein Segen sind diese Dinger hier auf den Philippinen, nur schade, dass sich landesweit immer die selben Restaurants, leider vor allem Fast Food Ketten, befinden. So lasse ich mich in der Pacific Mall erstmals auf normale Betriebstemperatur runterkühlen, bevor meine Reise (ich kann ja nicht mehr von Ferien reden...) so richtig beginnen kann.
Die Besuchstournee führt mich am zweiten Tag zu einem schönen Aussichtspunkt und noch zu einer halb von der Lava versunkenen Kirche. Bei beiden dieser Punkte soll man in der Regel den wolkenlosen Vulkan Mount Mayon sehen, doch mein Glück mit Vulkanen geht dieses Jahr nach Ecuador offensichtlich weiter, denn der gute Mayon weigert sich standhaft, auch noch seine schöne Gipfelregion zu enblössen und so endet der Tag leider nur mit unfertigen Photos, dafür umsomehr im Schweisse gebadet, denn es ist in den Philippinen noch immer Sommer, und der hat es dieses Jahr besonders auf die eher Hitzeempfindlichen abgesehen, denn der staatliche Wetterdienst meldet immer neue Rekorde. Wenn ich denke, wann in der Schweiz die Kinder Hitzeferien an den Schulen kriegen wäre hier wohl das ganze Jahr über nur äusserst selten mal Schule, und das wohl auch erst nach 20 Uhr abends....
Nach einer wundervollen kühlen Nacht (die Aircon hat alles gegeben, leider auch einen herrlichen Krach...) freue ich mich schon aufs Frühstück, doch da heute Sonntag ist, hat das Hotelrestaurant geschlossen... Aha ja .... So hoffe ich im Busterminal fündig zu werden, das tolle Ergebnis sind immerhin zwei süsse weiche Brötchen und Wasser. Das philippinische Frühstück, bestehend aus Fleisch oder Trockenfisch mit Reis, ist halt überhaupt nicht mein Ding. Nach einer netten Fahrt im gekühlten Minibus komme ich nach 1 1/2 Stunden in Sorsogon an. Leider geht es von hier aus nur im ungekühlten Jeepney noch weitere 1 1/2 Stunden weiter bis zum Hafen und das einzige Esslokal, das zu sehen ist, ist das hier so berüchtigte Jollibee, das man so in etwa als low cost und low quality Variante von McDonalds beschreiben kann (also ist grauenhaft nur das Vorwort). Dorhin will ich jetzt sicher nicht und so kaufe ich mir halt als weitere Zwischenverpflegung 4 Mandarinen vom Markt für einen happigen US Dollar ! Die Jeepney Fahrt ist wegen des Windes und den wenigen Passagieren noch angenehm und so folgt bald die dritte Umsteige in die Fähre, die mich auf die Insel Samar bringt. Dieses Ding von Boot ist im besten Sinne noch knapp als Seelenverkäufer zu umschreiben und da ich einer der letzten bin beim Einsteigen, muss ich mich mühsam zwischen der rostigen Schiffswand und den schmutzigen Lastwagen bis zur Lucke quälen, die mich aufs Passagierdeck bringt. Die lukullischen Genüsse bescheren mir hier eine heisse chinesische Nudelsuppe im Plastikbecher sowie einen Hamburger mit speckigem Schinken oder weiss gott was da zwischen den beiden Brötchen drinhängt. Bei der Ankunft der Fähre im nicht wie anders zu erwartenden verschlafenen Dörfchen mit dem unromantischen Namen Allen dann die Überraschung: Kein Transportmittel hat irgendwie auf mich gewartet. So gelingt es mir nur dank gütiger Mithilfe von diversen Filipinos (ich bin ja wie erwartet als Ausländer alleine auf weiter Flur) einen Platz in einem klimatisierten Bus zu ergattern, der eigentlich auf der 3-tägigen Reise von Manila nach Davao auf Mindanao unterwegs ist. So bin ich dort während der nächsten 2 Stunden für ein nettes Trinkgeld für den Fahrer Gast in diesem für lokale Verhältnisse so unwirklichen Gebilde, fühle mich wie ein König und lasse mich gemütlich auf der mit unzähligen Schlaglöchern versehenen Strasse in den Provinzort Calbayog kutschieren.
Ohne nun weiter ins Detail zu gehen bringt mich die weitere Reise von Calbayog über Catbalogan nach Tacloban (versucht das mal laut ohne Fehler auszusprechen...). Auf Biliran Island werde ich spontan zu einem Fest der örtlichen State University eingeladen, wo der Stundenplan bei einem der Zimmer, bei dem ich vorbeigeführt werde aus Kuchenbacken besteht, werde zu einer örtlichen Fiesta eingeladen, wo mich alle Dorfschönheiten so ganz spontan heiraten wollen und ich das Vergnügen habe, das Spanferkel anzuschneiden, spiele mit Dorfkindern, denen schon fast die Zähne ausfallen, weil sich die Eltern keine Zahnpasta leisten können usw.... Was ich schon oben geschildert habe ist typisch philippinisches Reisen: in einer fast immer atemberaubenden vulkanischen hügeligen Landschaft dicht bewaldet mit Palmen entlang dem Meer auf oft schlechten Strassen in unzureichenden Verkehrsmitteln vorbei an äusserst ärmlichen Hütten bis in eine Stadt, die vom Standard her in Asien ziemlich hinten anstehen muss und kaum Industrie hat, ständige Stromausfälle (seid ihr schon mal alleine in einem Lift bei stockdunkler Nacht steckengeblieben ?) und eine äusserst dürftige Strassenbeleuchtung (der Nachtmarkt ist fast nur mit Kerzen beleuchtet, die angebotene Ware kann man kaum erahnen), Höhepunkte wechseln ab mit Tiefschlägen und Frustrationen, Dreck und Elend mit spektakulären, abgeschiedenen Wasserfällen und einzigartigen Tauchgebieten, überall gewürzt mit zwar zurückhaltenden, aber immer sehr freundlichen und herzlichen Menschen, die immer Zeit haben und ihr gemächliches Leben fast abseits der Zivilisation leben. So reise ich denn 3 Wochen durch 4 Inseln in den Visayas, bevor zum krönenden Abschluss meiner Reise mich die Fähre in 24 Stunden von Cebu wieder zurück nach Manila bringt, für 49 Franken in der klimatisierten Kabine mit Vollpension nicht schlecht...
Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich Euch ein bisschen neugierig auf die Philippinen gemacht habe, wo spektakuläre Landschaft, tolle Vulkane, Wasserfälle, Höhlen und beeindruckende Tauchgebiete zu jedem Urlaub hier gehören, das alles ohne den wie auf Thailand üblichen Massentourismus: Während meiner Reise habe ich kaum Ausländer gesehen. Wenn ihr Interesse habt, so meldet Euch doch einfach bei mir, ich kann Euch gerne ein Programm zusammenstellen, das den um 3 Stunden längeren Flug als nach Thailand bei weitem rechtfertigt und das ganz ohne die hier üblichen Kommissionen für alle Arten von Agenten, die so allerhand zum Laufen versprechen bringen zu können.
1: Mount Mayon wie ich den gesehen habe
2: Mount Mayon wie er sonst ausschaut
3-7: Unterwegs in Samar
8-14: Dschungel auf Biliran Island
15-21: bei Moalboal auf der Insel Cebu
22: landestypische Verkehrsmittel
23: Sonnenuntergang mit Blick auf Cebu
Kolumbien ist das Land:
- wo man geriebenen Käse auf den Fruchtsalat streut
- wo ich bis jetzt am meisten glückliche und aufgestellte Kinder gesehen habe
- wo die Randsteine zum Teil so hoch sind dass man fast eine Bergtour machen muss bis man wieder oben ist
- das 28 mal grösser ist als die Schweiz, aber 5 mal weniger Einwohner pro km 2 hat
- wo man nach jeder Busreise in einer anderen Vegetations- und Klimazone aussteigt
- wo das Prinzip gilt: je grösser der Busen desto grösser der Ausschnitt
- mit den mit Abstand meisten Polizisten und Militärs, die ich je in einem Land gesehen habe. Sei es mitten in der Nacht durch eine Polizeisperre auf der Landstrasse oder mitten im Tag am Strand: ständig wird man von Polizisten und Militär beschützt / verfolgt
- des Fleisches: ob auf 1 Teller, auf 2 Beinen oder in den eigenen 4 Wänden: das Prinzip ist, je mehr Fleisch und je üppiger desto besser. Fett im Fleisch gilt sogar noch als besondere feinschmeckende Delikatesse...
- das einem vom Sandstrand über Dschungel, Wüsten, Hochebenen bis zu Schneebergen alles bietet
- wo Pommes Frites meist am ehesten mit Ölschwämmen gleichgestellt werden können
- wo es einen Fernsehsender gibt, der 24 Stunden am Tag nur Pornos zeigt
- wo Ausgang eigentlich nur am Samstag stattfindet und das nur ab Mitternacht
- wo die Südkoreaner in Massen auftreten, jedoch nur in den Städten, nur in gelb, auf 4 Rädern und mit Taxi angeschrieben
- ein grosser Busen nicht mehr in Melonengrösse, sondern bereits im Kürbisformat gemessen wird
- wo die Jugos keine vielgeliebte Volksgruppe, sondern ein wohlschmeckender Fruchtsaft ist
- das dem schlechten Ruf überhaupt nie gerecht wird
- die Leute sehr hilfsbereit sind und einem unaufgefodert Rat geben - sehr ungewohnt zu Asien, wo es bei solchen Gegebenheiten eigentlich nur darum geht, einem Geld aus der Tasche zu ziehen
- wo das Essen meist aus Fleisch / Huhn / Fisch gemischt mit einer Kombination von Reis / Yucca / Kochbananen / Bohnen / Pommes Frites / Salat besteht. Bei einem Menu gibt es noch eine Suppe vorher, entweder eine Fettgschlüder- oder eine Fischgrätensuppe.
- wo bei Festen zum Durst meist nur Whisky pur getrunken wird. So ist die kleinste Bestelleinheit gleich eine ganze Flasche. Da man auch immer in der Gruppe weggeht ist ja das auch kein Problem. Zum Pegelfüllen geht es vor dem Ausgang zum Liquorshop
- wo man selbst zum Carnaval unter brütender Sonne noch mit Jeans bekleidet feiert - die lateinische Form muss auch hier gewahrt bleiben
Cali, 20. - 23. Januar
Wieder mal früh aufstehen, denn die Reise von Pasto nach Cali im superbequemen Bus dauert seine 8 Stunden und ich möchte noch am Tag in Cali ankommen. Ich bin früh genug am Terminal, so dass ich in Ruhe das Frühstück einnehmen und mich für die Reise eindecken kann.
Die Fahrt selber ist wiederum spektakulär und führt durch riesige schroffe Schluchten. Wie froh bin ich dann beim Aussteigen, als mich sommerliche Temperauren begrüssen und ich endlich meinen Pullover nicht montieren muss. So wärme ich mich erstmals 2 Tage auf, bevor ich mich weitermache nach Armenia. Per Email habe ich nun von meinem Kollegen Andy in Cartagena erfahren, dass wir die ganze Zeit des Carnavals in Barranquilla, der kolumbianischen Stadt mit dem berühmtesten Karnaval, verbringen werden. Wie freue ich mich drauf !
Armenia, 23. - 25. Januar
Wieder einmal per Bus geht es weiter zur dritten und letzten Stadt in der Kaffeezone nach Pereira und Manizales, die nach einem Erdeben so stark verwüstete Stadt Armenia. Leider ist dann die Fahrt dorthin nicht besonders schön, denn im Busterminal von Cali versuchte eine Gruppe von Jugendlichen mit dem altbewährten Ablenkungstrick mich erneut zu bestehlen aber gottlob erfolglos, denn ich habe die Masche frühzeitig gerochen. Beim Bus selbst ist dann die Klimaanlage und die Ventilation kaputt, so dass wir unter saunaähnlichen Bedingungen in langen 3 Stunden nach Armenia fahren. Nur gut habe ich mich entschieden hier Zwischenhalt zu machen und so kann ich diesen Tropenbus verlassen. Besonders schön in Armenia ist die nette Fussgängerzone und so verbringe ich 2 angenehme Tage in dieser unspektakulären Kleinstadt. Ein Dessert hat es mir besonders angetan: Ein Fruchtsalat mit frischen Früchten und mit einer Milchcrème gefüllt sowie mit 2 Eiskugeln getoppt. Ahh wie fein !!!
Bogota, 25. - 26. Januar
Heute ist wieder einmal Berg- und Talfahrt angesagt: In 8 Stunden geht es vom auf 1600 m gelegenen Armenia immer zwischen 400 und 3200 m durch atemberaubende und teils bizarre Schluchten. Dabei durchqueren wir unzählige verschiedene Vegetationszonen, schön am Wegesrande flankiert durch ein Heer von Soldaten mit schussbereitem Gewehr. Am späten Nachmittag kommen wir in Bogota an und dank der netten Hilfe einer Tourismusangestellten im Busbahnhof finde ich eine Unterkunft in Fussnähe - so meine ich jedenfalls. Die Adresse ist Calle 23 F Carrera 73 F Nummer 23. Selbst für lokale Kolumbianer, die ich mehrmals fragen muss, eine echte Herausforderung ! Schliesslich komme ich aber doch noch an und zum krönenden Abschluss des Tages zieht mich wieder einmal ein Stück Fleisch als Nachtessen an und so verspeise ich ein göttliches Stück Rind von sicher 500 g. Auf dem Nachhauseweg werde ich jedoch wieder von den arktischen Bedingungen hier in Bogota eingeholt und so fröstele ich mich trotz meines dicken Pullovers nach Hause.
San Gil, 26. - 27. Januar
Der letzte kalte Morgen ! Endlich ! Von der vom Gastgeber versprochenen Fahrt zum Busterminal wird aus unerfindlichen Gründen leider nichts und so mache ich mich halt zu Fuss dorthin. In wenigen Stündchen kommen wir mit dem Bus im netten Dörfchen San Gil an und ich mache den Fehler, ein Zimmer ohne Klimaanlage zu nehmen. Denn es ist nicht nur warm, sondern so richtig tüppig heiss. Das hat den Nachteil, dass ich trotz Ventilator erst um 2 Uhr nachts schlafen kann und entsprechend gerädert aufwache. Am anderen Morgen besuche ich in den Bergen das Dorf Barichara, das wegen der kolonialen Architektur noch ganz nett anzusehen ist aber auch hier ist es brutal heiss. So mache ich mich bald wieder auf den Weg nach San Gil und beschliesse, gleich weiter nach Bucaramanga zu fahren.
Bucaramanga, 27. - 30. Januar
Die Fahrt ist wiederum spektakulär: Obwohl die Fahrt nur 2 Stunden dauert geht es die meiste Zeit entlang einer riesigen 1200 m tiefen Schlucht, die mich an eine Mischung von Schöllenenschlucht, Vorderrheintal und der Wüste in Arizona erinnert. Dann kommen wir in Bucaramanga an: wow das tönt für mich etwa so geheimnisvoll wie der Bösewicht Scaramanga im James Bond Film. Die Realität ist dann nicht ganz so geheimnisvoll ausser als ich auf der Restaurantsuche in der Innenstadt partout keines entdecke und nur dank der Hilfe einiger Bewohner den Weg zu einem feinen Stück Fleisch finde. Die Stadt selber ist sehr nett, mit einem angenehmen Klima und gefällt mir ausgesprochen gut, ausser das halt das Meer wieder fehlt. Dafür ist mein Zimmer der Hammer: Selbst in der Dusche reicht es noch für eine zünftige Tanzeinlage...
Santa Marta, 30. Januar - 4. Februar
Nach einer schönen Zeit geht es endlich wieder ans Meer, das ich schon so vermisst habe: Doch aus dem geplanten gemütlichen 8 stündigen Fährtchen wird leider nichts, denn erst nach einer fast 12 stündigen Bummelei kommen wird nach Dunkelwerden in Santa Marta am Meer an. Dank der gütigen Unterstützung des Taxifahrers finde ich ein nettes Hotel in Meeresnähe mit Klimaanlage inklusive für knapp 20 USD. Mein Lonely Planet Reiseführer taugt für einmal in Kolumbien überhaupt nichts denn der hat sich fast nur auf schrottreife Hostels für Budgettravellers sowie auf Luxusreisende beschränkt. Beim Ausgang abends um 8 schwahnt mir dann schlimmes: Noch immer zeigt das Thermometer über 30 Grad an und keine Restaurants haben Klimaanlage. So nehme ich wahrlich im eigenen Saft mein Nachtmahl ein... Am nächsten Tag fahre ich einige Kilometer an einen schönen Strand in El Rodadero und verbringe einen echt erholsamen Sonntag am Strand. Nur einem Vergleich mit den Brasilianern bezüglich Strandleben können die Kolumbianer nicht standhalten, das kommt mir so etwa vor wie Autofahren mit angezogener Handbremse. Den nächsten Tag verbringe ich in der Stadt und es ist hammer-granatenheiss für meinen Geschmack: Selbst am Schatten beim Mittagessen messe ich über 34 Grad ! Das ist eindeutig zuviel für mich und ich kriege einige Bedenken bezüglich der nächsten Wochen hier an der Karibikküste von Kolumbien. Am Nachmittag flüchte ich mich jedenfalls in mein gekühltes Zimmer zum Abkühlen und Ausruhen....
Weitere 2 Tage verbringe ich am Strand, sowohl nördlich in Tagunga als auch wieder in El Rodadero. So lässt es sich nun wirklich aushalten.
Riohacha, 4. - 6. Februar
Die Fahrt geht heute in knapp 3 Stunden nach Riohacha, das sich an der Grenze zum Nirgendwo und nur ca. 1 Stunde von der venezolanischen Grenze entfernt befindet. Die ersten beiden Hotels am Strand sind zu meiner Überraschung voll und das dritte ist eine Bruchbude, für das sie einen gesalzenen Preis verlangen. Sehr untypisch dünkt mich das Ganze für Kolumbien ! So lande ich schlussendlich in Hotel Nr. 4, einer familiären Bleibe. Das Zimmer hat leider auch nicht viel mehr als Zellengrösse, immerhin passt nun der verlangte Zimmerpreis besser zum Gebotenen. Die Stadt selber ist nicht der Rede wert und die Strandpromenade absolut nicht ausgebaut. Nur ein einzelner Anbieter vermietet Stühle und so verbringe ich den zweiten Tag am Strand. Ich bin der einzige Gast und am Nachmittag setzt noch ein strammer unangenehmer Wind ein, der mir feinsten Sandstaub erfolgreich bis in die letzten Ritzen meines Körpers bläst. So muss ich notgedrungen bald den Rückzug antreten vor diesem unangenehmen Wind, der gemäss Aussage der Bewohner hier ganz normal ist. Ha, vielen Dank, hier will ich nicht bleiben !
Am Abend findet ein Umzug als Vorfasnachtsveranstaltung statt und es kommt leider so wie ich es schon von Brasilien her kenne: Schon bei der ersten Tanzgruppe, die an mir vorbeidefiliert, rennen Gruppen von Jugendlichen einander hinterher und versuchen offensichtlich einen Dieb zu fangen. Die ganze Stimmung lädt sich sofort in Gewalt auf und bleibt unruhig. Ah wie ich das hasse ! So bleibe ich dem Umzug auf Distanz und lasse das Ganze aus sicherer Entfernung an mir vorbeiziehen.
Cartagena, 6. – 12. Februar
Heute folgt bereits schon die letzte längere Busfahrt meiner Ferien, es geht in 7 Stunden nach Cartagena. Der Bus ist für meine Beinlänge nicht gerade optimal und so muss ich alle paar Minuten von der einen zur anderen Stellung wechseln. Gespannt komme ich schliesslich am späten Nachmittag in Cartagena an. Bereits bei der Taxifahrt merke ich, dass hier andere Regeln gelten als im übrigen Kolumbien, denn die Fahrt ist viel teurer als sonst. So schaue ich mir die wirklich schmucke und berühmte Altstadt von Cartagena an. Noch nie habe ich so viele ausländische Touristen gesehen wie hier, die stehen sich ja fast auf den Füssen ! Das wirklich Verwirrende für mich in der Altstadt sind aber die Strassennamen: so wechseln diese innerhalb der gleichen Strasse von einer Kreuzung zur nächsten, also als Orientierung unbrauchbar ! So bin ich denn froh, dass ich nach 2 Tagen Andreas treffe, einen ehemaligen Arbeitskollegen, der jetzt hier in Cartagena wohnt. Seine Wohnung etwas ausserhalb von Cartagena ist der Hit: direkt am Strand und vom Balkon aus den Sonnenuntergang zu geniessen das ich wirklich super. Gemeinsam haben wir eine wirklich tolle Zeit, bevor es dann zusammen an den berühmten Carnaval nach Baranquilla geht.
Barranquilla, 12. – 16. Februar
Dank Andy können wir bei kolumbianischen Freunden übernachten und wie immer in Kolumbien sind das nicht nur 2 oder 3 sondern gleich 20 oder 30 und so verbringen wir den gesamten Carnaval grösstenteils zusammen. Am ersten Tag beginnts direkt nach dem Frühstück: mit Saufen ! So bin ich bereits nach dem ersten verdrückten Bier morgens um 10 ein Aussenseiter, denn ich schlage das zweite aus und quäle mich stattdessen immer noch mit dem grauenhaften Geschmack des ersten herum. So wanken wir alle an die Umzugsstrecke, wo wir nobel auf der Tribüne Platz nehmen. Jetzt wird auch schon auf Whisky pur gewechselt und die Flaschen leeren sich schneller als ich nüchtern noch schauen kann. So lässt man den Umzug auch fast teilnahmslos an sich vorbeiziehen, nur bei der tribüneneigenen Band wird man von Zeit zu Zeit etwas warm. Nach einiger Zeit des Umzuges und ohne dass der Funken mal von den Umzugsteilnehmern auf die Zuschauer übergesprungen ist hocken alle besoffen und müde auf den Rängen bevor man sich im Laufe des späteren Nachmittags dazu entschliesst, nach Hause zu gehen. Der Umzug selber hat mich gerade auch im Vergleich zu Brasilien enttäuscht, denn fast keine Band hat live gespielt und mitunter gab es auch Wagen mit Technomusik wie an der Zürcher Streetparade. Na ja dann kann es ja nur noch besser werden... Nach einem kurzen Ausnüchterungsschlaf geht die Sauferei am Abend munter weiter und wir gehen an einen Ort an dem es noch toll sein soll. Dieser Ort ist sehr kurios: Die Musik ist wiederum aus der Konserve und quer über eine Strasse stehen die meisten Zuschauer, die ständig darauf aufmerksam gemacht werden nicht auf der Strasse zu stehen, weil die Polizei dann nicht durchfahren kann. Wo sollen die denn sonst stehen ? Na ja zum Saufen reicht es ja noch und so werden wieder literweise Bier und Whisky in die Binsen geleert. So langsam verliere ich die Lust daran, mal schauen wie es morgen wird !
Tja am zweiten Tag gibt es wiederum einen Umzug, diesmal einen klassischeren, allerdings mit weniger Zuschauer als gestern, weil offensichtlich viele schon nicht mehr fähig sind zeitig aufzustehen (der Umzug hat um 1300 begonnen...). Die Stimmung ist noch mieser als gestern, also schmiert man sich in natürlich wiederum sehr alkoholfroher Stimmung mit Maizenapulver ein und sprüht sich mit so einem ekligen Schaum voll. Wow ist das lustig.... Am Abend soll dann das sogenannte Highlight folgen: Livekonzerte mit berühmten kolumbianischen Bands ! Ich freue mich mal lieber erst im stillen... Als wir dann dort abends um 9 ankommen kocht die Stimmung auch tatsächlich und die Leute tanzen und singen ! Leider soll das dann auch das letzte Mal an diesem Abend gewesen sein. Erstens ist es extrem eng gestuhlt, so dass man nur die Möglichkeit hat zu sitzen oder dann die Plastikstühle zusammenzustellen, damit man eine kleine Fläche zum Tanzen frei hat. Zweitens gibt es kein Bier, also leert man halt Whisky pur zum Durstlöschen in sich rein, die Flasche zu 150 Dollar ! Drittens haben es alle anderen Bands bis morgens nach 3 nicht mehr fertig gebracht, die Leute zum Festen zu bringen und spielen ihre Stücke meist ziemlich emotionslos runter. Und viertens hat ein konstanter Duft aus den bereitgestellten mobilen Toiletten dazu beigetragen, dass die Stimmung etwas gedämpft blieb. Wenn da nur nicht die horrende Eintrittsgebühr von 100 Dollar gewesen wäre... Am dritten und letzten Tag wird eine Band direkt nach Hause bestellt und die ganze Sippe vergnügt sich zuhause. Das ist echt schön und aufgestellt ! Ich frage mich nur wie die Stimmung ohne diese Mengen an Bier und Whisky wäre.... Am Abend sind wir dank Beziehungen backstage beim grössten Livekonzert des Carnavals mit unzähligen Gruppen, die Salsa, Vallenato, Cumbia und Tropical spielen. Schön, aber mit der Zeit mühsam, da es keine Möglichkeit gibt, sich zu setzen. So nimmt der Carnaval von Barranquilla sein zähes Ende.
Fazit: 1. Der Carnaval ist eine riesige Sauferei.
2. Leider springt der Funke während der ganzen Zeit fast nie auf die Zuschauer über
3. Das Ganze geht durchwegs gesittet und friedlich über die Bühne sowie ohne irgendwelche Diebstahlsversüche und unterscheidet sich in diesem Punkt wohlwollend vom Carnaval in Brasilien.
El Rodadero, 16. Februar - 10. März
Direkt am nächsten Morgen verabschiede ich mich von allen und fahre mit dem Bus direkt an mein abschliessendes Ferienziel El Rodadero bei Santa Marta und geniesse schöne und erholsame, zum Teil horrend heisse Tage bis zu 35 Grad am Schatten. Sogar die Strassenhunde buddeln sich bei diesen Temperaturen ein Loch im Sand, um sich darin etwas abzukühlen. Die Kolumbianer machen es wie immer, sie trinken Bier und ich leide und tropfe still vor mich hin. Gottlob sind es aber nur wenige Tage mit solchen Temperaturen, der Rest ist dann einfach nur noch tropisch heiss....
Heimweg über Bogota, Costa Rica, L.A. und Honolulu nach Manila, 10. - 13. März
Meine Ferien sind endgültig zu Ende und meine Heimreise steht als letzter Punkt auf meinem Programm. Doch diese Heimfahrt hat es in sich: In 3.5 Tagen (Lokalzeit), gesamthaft 5 Flügen mit total 26.5 Stunden Flugzeit übernachte ich in 5 verschiedenen Ländern, neben Kolumbien in Costa Rica und Los Angeles, einer virtuellen Nacht in der Luft und schlussendlich wieder zuhause in Manila.
So sieht zumindest die Theorie aus. Doch es kommt natürlich ganz anders: Bereits in Bogota wird mir verweigert, nach Costa Rica zu fliegen, dort einzureisen und eine Nacht zu verbringen, da man offensichtlich eine Gelbfieberimpfung braucht, wenn man aus Südamerika anreist. Wie soll ich denn das wissen ? Ich bleibe ganz gelassen, denn schliesslich muss ich eh wegen eines Fehlers der Fluggesellschaft eine zusätzliche Nacht einlegen. So fliege ich schliesslich direkt weiter nach L.A. ohne dass ich eine Hotelreservation habe. In L.A. ist dann aber alles vorbereitet und ich lande für 2 Nächte in einem tollen Hotel und habe einen ganzen Tag, um mich nach fast 20 Jahren wieder auf Spurensuche nach meinem damaligen Studienaufenthalt an der Universität UCLA zu machen. Ich bin ja gespannt was sich so alles verändert hat...
So mache ich mich am nächsten Morgen auf den Weg und bin erstmals erstaunt, dass ich mich per Metro in dieser für mich amerikanischten aller Städte der USA bewegen kann. Ein Tagespass mit den Buslinien inbegriffen kostet sogar nur 5 Dollar ! Das freie Amerika begrüsst mich auch sofort: auf dem Bahnsteig sind Tafeln mit 9 Verboten und von meinem Sitz in der Metro aus zähle ich sage und schreibe 17 ! verschiedene Verbotstafeln und 2 Warnungen (ich habe mehrmals gezählt es stimmt wirklich). So ist es beispielsweise bei Androhung einer Busse von 250 Dollar und 48 Stunden gemeinnütziger Arbeit verboten laut zu sein, zu essen oder zu trinken.... Gut sind diese Hamburger so schnell verzehrt, dass die einem nicht auch noch in die Metro verfolgen und einem ein teures Mahl bescheren. Oh du freies Amerika wie ist das schön !
So fahre ich bei Totenstille im Abteil nach Hollywood und marschiere zu Fuss auf dem Walk of Fame dem Kodak Theater entlang, wo die Oscar Verleihung vor nicht mal einer Woche stattgefunden hat, weiter entlang der Melrose Avenue mit all diesen verrückten Geschäften und durchgeknallten Menschen, die alle speziell toll und wichtig sein wollen, durch Beverly Hills mit all diesen fleischgewordenen Äusserlichkeiten bis ich nach ein paar Stunden müde endlich den Bus nehme, der mich noch das letzte weite Stück nach Westwood bringt, wo ich damals studiert habe. Vieles erkenne ich auch sofort wieder und es ist wirklich toll, sich in diesem Amerikanismus zu bewegen. Ich fühle mich auch wirklich ganz easy und great, lasse mich beim Mittagessen cool von der Sonne verwöhnen und beobachte all die geschäftigen Studenten, die sich als Vorbereitung für eine erfolgreiche Business Karriere abrackern. Mit dem Bus fahre ich volle 1.5 Stunden auf dem prachtvollen Wilshire Boulevard wieder zurück nach Downtown. Jetzt fällt es mir so richtig auf, wie hier die Finanzkrise zugeschlagen hat: In vielen dieser prachtvollen Bauten glänzt nur noch das Schild der Bank, die dort einmal war. Innen ist alles leer und ausgeräumt, nur noch dei Tafel des Brokers hängt schief an der Fassade, der offensichtlich verzweifelt neue Mieter sucht. Pleite, Konkurs, Aus ! Auch viele der Filialen der Bank of America sind geschlossen, Downsizing nennt man das. Gemein ist all diesen Gebäuden nur, dass sie von aussen alle ganz prächtig aussehen. Leere Hüllen, das ist das Resultat der globalen Finanzkrise... Eine schauerliche Erfahrung !
Mitten im Feierabendverkehr fahre ich mit der Metro noch nach Long Beach. Selbst jetzt ist die Metro nicht mehr als gefüllt, fast niemand muss stehen. Trotzdem dass soviele Leute in Downtown arbeiten sehe ich nur ganz wenige dieser geschäftigen Krawattenträger in der Metro. Die bewegen sich immer noch lieber zusammen mit Millionen anderer in ihren riesen Schlitten auf den geheiligten Autobahnen. So ist denn der öffentliche Verkehr immer noch nur ein Verkehrsmittel für die armen Leute, sprich für Schwarze und Hispanics, die sich kein Auto leisten können - wie schon damals vor 20 Jahren.... Etwas sonderbar ist dann noch, dass die Geleise der Metro über eine längere Strecke genau zwischen eine Autobahn gelegt wurden und so fühlt man sich auch als armer Metropassagier akzeptiert und integriert in die totale auto-Mobilität dieser Monsterstadt eingebettet zwischen den beiden Fahrtrichtungen dieser Autobahn mit jeweils 6 Spuren. Als ich kurz vor Redondo Beach, einem populären Wohnort, meine Metro verlasse, befinden sich wohl nicht mal mehr 10 weitere Fahrgäste darin. Und so findet ein wundervoller sonniger Tag nach dem Sonnenuntergang in einem fantasischen Abendrot sein würdevolles Ende....
So gehen meine nächsten Ferien in die Geschichte ein. Ferien, die mich wieder haben neue Länder entdecken und neue Menschen kennenlernen lassen. Ferien in Lateinamerika bieten nie die gleiche kulturelle oder kulinarische Faszination wie in Asien, bieten aber eine atemberaubende Landschaft und Menschen, die humorvoll, sehr offen und warmherzig sind. Wie schade, lassen sich nicht die für mich positiven Eigenschaften wie in einem grossen Topf zusammenmischen und ein neues Land entstehen. So werde ich halt bald wieder mein Bündel schnüren und mich wieder aufmachen zur Entdeckung neuer Perlen auf unserem unendlichen Planeten.
1-2: Barichara
3: Unterwegs nach Santa Marta
4: Santa Marta
5-6: El Rodadero
7-13: Cartagena
14-17: Carnaval in Barranquilla