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Hampi, 12. - 15. Februar
Da dieses Hampi verkehrstechnisch sehr unglücklich liegt entscheide ich mich letztenendes für einen gewöhnlichen staatlichen Linienbus ohne verstellbare Rückenlehne (sogar die Ultra Deluxe verkehren nicht auf dieser Strecke) und brauche dabei, wie in Indien üblich, für die wenigen hundert Kilometer eine ganze Nacht. Die Nacht ist schlicht grauenhaft, denn der Bus haltet in jeder Ortschaft und sammelt die letzten verstreuten Passagiere ein, die die Nacht hergibt. So ist denn der Bus gerammelt voll inklusive vieler stehender Passagiere (und mir als einzigem Ausländer). So komme ich denn frühmorgens vollkommen gerädert in Hospet an und ein anderer Linienbus bringt mich schliesslich ins nahe gelegene Hampi. Was ich dann allerdings dort in den nächsten Tagen sehe haut mich schlicht um: auf einem Gelände von 25 km 2 erstreckte sich im 15. und 16. Jh. eine Stadt, die mit 500'000 Bewohnern zur zweitgrössten der Welt gehörte. Heute sieht man neben einigen gut erhaltenen Tempeln leider fast nur noch Ruinen, trotzdem haut mich das Ganze in dieser Felsenlandschaft echt um und ich bin beeindruckt, wie die damals solch riesigen Granitklötze gebildet und für die Erstellung der Bauten in die Höhe gehievt haben.
Durch die zusätzlich sehr netten Kontakte im Guesthouse werden die Tage in Hampi für mich unvergesslich bleiben.
Die Weiterfahrt nach Goa ist dann wieder ein Kapitel für sich. Leider gibt es für diese Nacht keinen Zug sondern nur einen Nachtbus, diesmal aber immerhin die komfortable Variante mit Betten. Mein Bett direkt über der Hinterachse ist aber nur dann echt komfortabel wenn der Bus steht, sonst haut es mich bei jeder Bodenwelle (und von denen gibt es sehr viele) aus der Liegeposition senkrecht in die Höhe. Dass der Bus im Laufe der Nacht durch einen Irren, der einen Stein wirft, auch noch der Windschutzscheibe entledigt wird, verbessert auch nicht unbedingt das Wohlbefinden, denn der arme Fahrer ist in dieser kühlen Nacht in alle Kleider eingewickelt, die ihm seine Kollegen ausgeliehen haben und sieht hinter dem Steuer aus wie eine einbalsamierte Mumie.
Goa, 16. - 22. Februar
Schliesslich kommen wir aber trotzdem noch in aller Frühe in Goa an und nach einer kurzen Busfahrt erreiche ich den Strand bei Calangute, mein Zuhause für die nächste Woche. Die Suche nach einer Bleibe gestaltet sich erstaunlich schwierig, denn erstens sind die Preise ziemlich überhöht gegenüber dem restlichen Indien und zweitens will ich nicht schon wieder durch rücksichtslose Inder (jeder Reisende kennt leider unzählige Geschichten) im Schlafe gestört werden. So finde ich nach langer Suche bei einer Schweizerin und ihrem goanischen Ehemann eine nette Bleibe im ersten Stock eines Hauses in einer ruhigen Ecke dieses Strandes, die eigentlich eher an eine Ferienwohnung für eine ganze Familie erinnert.
Goa hat sich nach kurzem Hinsehen seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren stark entwickelt: die wenigen kleinen netten Strandhütten sind gewichen einer unendlichen Reihe von ausgebauten Restaurants, Sonnenschirmen und Strandliegen, um die mehrheitlich russischen, britischen und skandinavischen Pauschaltouristen zu bedienen. Vorbei sind auch die coolen Goa Parties, denn heute ist um 10 Uhr Schluss. Geblieben ist einzig die Horde von jungen indischen Männern, am Strand häufig nur in Unterhosen unterwegs, die es offensichtlich für das eigene beschränkte Sexualleben unglaublich bereichernd finden, sich auf die Suche nach weiblichem westlichen Fleisch egal welchen Alters zu machen und das dann ungeniert anzustarren. Die eigenen Frauen sind züchtig verhüllt und wenn sie verheiratet sind kriegen die Männer mehrfachen Erkundigungen gemäss auch fast nichts zu sehen als meterlange Bahnen von Saris, die alles Schamhafte peinlichst genau verhüllen und sich wie Jahresringe von Bäumen jedes Jahrvergrössern. Ah ja und nach einigen Jahren, nachdem sich diese Frauen dann zu voller Körperfülle aufgebläht haben möchten die armen Inder wohl auch nicht mehr genauer hinschauen. Tja !
So verbringe ich hier 7 Tage nach dem Motto "Ferien von den Indern", laufe stundenlang dem Strand entlang, sitze in unzähligen Restaurants direkt im Sand, geniesse Ferien wie die Pauschaltouristen und spanne auf meiner Terrasse aus bevor ich mich langsam wieder dem Fortgang meiner Reise widme.
Diese Planung hat es wahrlich in sich, denn der Zug, den ich nehmen möchte, bedient die Strecke Goa-Mumbai und ist auf über 2 Wochen hinaus vollständig ausgebucht. So bleibt mir wieder mal nichts anderes übrig, als mich auf eine Nacht im strassengebundenen Schlafgemach vorzubereiten.
Aurangabad, 23. - 25. Februar
Über die Nacht selbst kann ich nicht viel berichten, es war so wie erwartet halt, ausser dass die ganze Rumpelkiste klimatisiert ist und jede Schlafkoje einen Bildschirm hat (natürlich mit höllisch lautem Bollywood Gesinge und Getanze). So komme ich am morgen früh in Poona an und mache mich gleich auf die Suche nach der Weiterfahrt. Bald finde ich in einem der Busterminals einen wunderbaren modernen Aircon Bus, der mit seinem poppigen Blau unglaublich stark kontrastiert zum fast schon verfallenen Terminal, wo um diese Zeit sich alle Bettler, die dort übernachtet haben, langsam von ihrem Schlafgemach, dem harten Betonboden, erheben. So komme ich zu unerwarteten 4.5 Stunden fast schon überirdischem indischem Komfort in diesem Businessbus, bevor wir in diesem Aurangabad ankommen. Habe ich schon Gerüchte darüber gehört, so verwundert mich die Realität nicht allzu stark, denn es handelt sich wieder um eine Stadt, die dem erfahrenden Reisenden alles bietet, was er garantiert nicht sucht, inklusive der obligaten mehrmaligen Rückgabe von höllisch scharfem Zeugs, das als absolut nicht scharf angepriesen wurde, einer Mehrzahl von Leuten die kein Englisch sprechen usw. ! Indien pur ist das, was ich ja auch schon früher geschildert habe, darum lasse ich die Einzelheiten aus. Nach harter Suche finde ich auch ein Hotel, das zwar ziemlich heruntergekommen und schmutzig ist, mir aber unerwarteterweise 2 ruhige und kühle Nächte ermöglicht. Das weitere Besuchsprogramm kontrastiert wieder einmal gewaltig mit der indischen Gegenwart und wird zu den spektakulären Höhepunkten meiner 3 Reisemonate in Indien gehören, denn ich besuche die Höhlen von Ellora und Ajanta, die als Weltkulturerbe bei UNESCO verbucht sind. Dies sind absolut keine gewöhnlichen Höhlen, sondern wurden von Menschenhand zwischen dem 4. Jh.v.Chr. und dem 10. Jh.n.Chr. mit gewöhnlichen Hämmern und Meisseln aus dem Fels geschlagen ! Heute finden sich spektakuläre Tempel und Klöster mit fantastischen Steingemälden und Malereien in diesen Höhlen. Die Bauzeit des Haupttempels hat alleine 100 Jahre gedauert... So wandle ich in 2 Tagen durch diese total über 50 Höhlen aus der buddhistischen und hinduistischen Zeit und verdurste fast in der Hitze, weil ich vor lauter Staunen fast alles andere vergesse. Besonders beeindruckend ist auch die thailändische Pilgergruppe, die mich durch ihre buddhistischen Gesänge in den Höhlen fast zum Weinen bringt und durch ihre Ruhe und Intensität so angenehm kontrastieren zu den lauten indischen Besuchsgruppen.
Doch die indische Realität ist wiederum nicht weit: Nachdem ich den Bus ins nördlich gelegene Jalgaon besteige befinde ich mich urplötzlich wie in einem schlechten Film, denn ich sitze in den hinteren Reihen inmitten eines Gefangenentransportes mit richtigen Polizisten mit Maschinengewehren und Gangstern in Handschellen ! Nach Ankunft in dieser wiederum sehr indischen Stadt überbrücke ich die vielen Stunden bis zur Abfahrt in einem für indische Verhältnisse sehr ungewöhnlichen Gartenrestaurant (sonst sind die typisch indischen Restaurants nicht viel mehr als nüchterne Abfertigungsbetriebe zur schnellen Einnahme des Futters) und plane meine weitere Reise. Wiederum machen mir die indischen Staatsbahnen bei der Reservation dabei gleich zweimal einen Strich durch die Rechnung durch Züge, die über Tage hinaus vollständig ausgebucht sind und selbst eine Warteliste von mehreren hundert Plätzen haben. So sollen doch die ohne mich durch die Gegend fahren und in hoffnungslos überbuchten Zügen ihr strammes Defizit einfahren, denn lediglich der Güterverkehr produziert hier schwarze Zahlen. Haben die denn noch nie was von Anpassung der Fahrpreise an die Nachfrage gehört ?
So winkt mir die nächste Nacht wiederum im strassengebundenen Schlafgemach und ich fahre im Nachtbus nach Indore, wo ich morgens um 0430 ankomme. Sofort mache ich mich an die Organisation der Weiterreise nach Bhopal, wohin ich eigentlich möchte. Was sich zu dieser Zeit sowohl auf dem Eisenbahn- wie auch auf dem Busbahnhof abspielt ist phänomenal: Jeder Quadratmeter Boden ist besetzt mit schlafenden Personen, die so zumindest für die Nacht ein Dach über dem Kopf und etwas Schutz haben. So kurve ich mit meinem Gepäck um all diese eingewickelten Gestalten und siehe da, bereits um 0530 fährt ein angenehmer Bus die 5 Stunden nach Bhopal. Doch die Organisation ist diesmal nicht so wie anderswo, denn Englisch ist sowohl als gesprochene Sprache als auch bei Beschriftungen absolut nicht bekannt. Keine einzige Tafel ist in Englisch und nebem dem Wort Bhopal habe ich mit keinem meiner Gesprächspartner ein gemeinsames Wort in Englisch. Dass der Entwicklungsgrad dieser Region entsprechend ist versteht sich dabei fast von selbst.
Bhopal, 26. Februar - 1. März
Auch in Bhopal selbst scheint derselbe Entwickungsstand zu sein wie in Indore, trotzdem es eine Millionenmetropole und die Hauptstadt des Bundesstaates Madyha Pradesh ist geht es aussergewöhnlich rural zu und her.
Doch auch hier liegen Licht und Schatten wieder nahe beeinander, denn ich besichtige im nahegelegenen Sanchi eines der ältesten buddhistischen Bauwerke überhaupt, datierend aus dem 3. Jh.v.Chr. Alle diese ehemaligen Tempel und Klöster liegen auf einem Hügel und mich haut wieder die steinbildhauerischen Fähigkeiten dieser Leute aus dem Sockel. Wenn man bedenkt, zu was man in Europa im 3. Jh.v.Chr. fähig war...
Neben Besuchen in den verschiedenen Märkten der Stadt und der netten und beruhigenden Seepromenade besuche ich in Bhopal auch noch die Stelle, wo 1984 das Union Carbide Desaster stattgefunden hat, ca. 1 km Luftlinie von meinem Hotel weg......
Da es für die Weiterreise für einmal nur per Zug weitergeht und ihr, ja ihr wisst es schon, alle Züge ausgebucht sind, ist es mir nur möglich, um 5 morgens meine Weiterreise nach Jhansi anzutreten.
Orchha, 1.- 5. März
So bin ich also rechtzeitig im Bahnhof und schaffe es trotzdem irgendwie, den Zug, der angeblich gehalten hat, zu verpassen. Ich bin mir immer noch sicher, dass der Zug gar nie angekommen ist ! Oder melden sich so die ersten Altersbeschwerden ? Dank der gütigen Hilfe des Bahnhofvorstehers, der mich peinlicherweise unter den Augen von tausenden von Indern bis ins Zugabteil begleitet, nehme ich halt den nächsten Zug 2 Stunden später und lande so doch noch zu angenehmer Zeit in einer Stadt namens Jhansi. Nach dieser Hektik komme ich wenig später per vollgestopfter Autoriksha im für indische Verhältnisse fast schon zu ruhigen Orchha an, das mir, eingebettet zwischen Fluss und Palast aus der Mughalzeit, auf Anhieb gefällt.
Der Palast aus dem 16. Jh. ist von aussen imposant, das Innere kann da leider nicht ganz mithalten, da am Unterhalt ziemlich gespart wird. Trotzdem ist die Architektur interessant und so bleibe ich hier auch etwas länger als geplant. Die Schlaferei hier ist soweit ganz OK, wenn es nur nicht ein paar ältere Männer gäbe, die in einem nahegelegenen Kloster via Lautsprecher 24 h am Tag das Ramayana singen, da es im Dorf einen Tempel gibt, der offensichtlich dem Gott Rama gewidmet ist. So singen denn die ohne Unterbruch 1 Jahr lang und wecken mich auch prompt in der Nacht auf. Unwissend und genervt frage ich am Morgen dann den Typen vom Hotel, was das für ein "stupid guy" sei, der mitten in der Nacht singt, sehr zum Ärger der mithörenden indischen Zimmernachbarn, die sofort aus dem Zimmer kommen und mich ob meines ignoranten Kommentars böse anblicken. Einen besonderen Höhepunkt erziele ich hier noch mit dem Kauf meines letzten Bahntickets, aber das erzähle ich euch dann später.
1-5: Hampi
6-7: Goa
8-12: Ajanta Caves
13-17: Ellora Caves
18-20: Sanchi
21-23: Orchha
Madurai, 17. - 19. Januar
Nach einer kurzen 3 stündigen Busfahrt im komfortablen sogenannten Deluxebus lande ich in Madurai, einer offensichtlich uralten Stadt immer noch in Tamil Nadu, wo ich wiederum den riesigen Tempel besuche, der sich auf einer Fläche von 3 ha erstrecken soll. Doch es geht mir hier wie im Tempel in Trichy: ich schaue dem Treiben der tausenden von Pilgern aus ganz Indien fasziniert zu, doch eine selbst nur zaghafte Annäherung an diese Religion bleibt mir fremd: Wieso dass die sich mit verschiedenen Farben bestreichen, Ochsen aus Stein wie einen Gott betatschen oder sich Öl ins Haar schmieren ist mir völlig unklar. So fühle ich mich hier als völliger Aussenseiter und bin ob der Architektur auch etwas enttäuscht, die bei den Jaintempeln von Ranakpur und Mount Abu in Rajasthan wesentlich faszinierender war. So mache ich mich denn nach einem 2 tägigen Aufenthalt bereits schon wieder im Nachtzug auf den Weg erstmals an die Westküste von Indien nach Trivandrum, der Hauptstadt des Bundesstaates Kerala.
Trivandrum, 20. - 23. Januar
Weiter südlich als hier geht es auf meiner Reise nicht mehr, obwohl es nur knapp 100 km wären bis ans Kap. So besichtige ich hier den netten Maharadscha Palast und den Zoo, der sämtliche Grosskatzen führt, die man sich nur vorstellen kann und zwar in grösstenteils sogar einigermassen artgerechten grosszügigen Freilaufgehegen. Ob die beiden Schlangen und das murmeltierartige Ding jedoch, die ich im Zoo ausserhalb der Gehege entdecke, nun wirklich wild leben, aus einem der vertrauungsunwürdigen Gehege ausgebrochen oder sich als geplantes Futter aus dem Staub gemacht haben bleibt wohl für immer deren Geheimnis.
Ansonsten erreichen hier die Temperaturen ihren vorläufigen Höhepunkt meiner Reise, das heisst, dass ich regelmässig klimatisierte Restaurants aufsuchen muss zum Abkühlen (gekühlte und moderne Shopping Malls sind fast immer Fehlanzeige in Indien) und mich an den unzähligen Fruchtsaftständen laben muss, die hervorragende frischgepresste Fruchtsäfte auf Nachfrage auch ohne Wasser- und Zuckerzusatz verkaufen.
Kollam, 23. - 26. Januar
Ein kurzweiliges Fährtchen im luftgekühlten Reisebus (auf gut deutsch einer Klapperkiste ohne Fenster) entlang Palmenwäldern bringt mich nach Kollam, dass das südliche Ende der berühmten Kerala Backwaters darstellt. Natürlich bin ich dann am nächsten Tag gleich dabei, diese auf einer Tour auszukundschaften, doch es muss wohl sein, dass ich schon zu lange in den Tropen lebe, dass ich nicht ganz so begeistert bin und mich bald schon per Schiff ins nördliche Allepey begebe.
Allepey, 26. - 28. Januar
Obwohl ich unglücklicherweise am indischen Republic Day reise und es dementsprechend viele Ausflügler gibt, schaffe ich es eine Stunde vor Abfahrt noch, den letzten Sitzplatz auf dem Oberdeck des Schiffes zu ergattern. Die gesamte Fahrt dauert 8 Stunden und führt durch die zum Teil sehr engen, zum Teil parallel zum Meer führenden Kanäle der Kerala Backwaters in meist wirklich romantischer Palmenlandschaft und begleitet von unzähligen verschiedenen Vögeln wie dem zwar kleinen dafür aber sehr bunten Kingfisher. So kann ich am Abend im sehr warmen Allepey diesen Tag als einen der bisher schönsten meiner Indien Ferien verbuchen, als ich mich schweissüberströmt in ein klimatisiertes Restaurant rette. Trotz meiner Bestellung "absolutely not spicy" brennt das Zeugs fürchterlich im Mund und so gibt es halt fürs Restaurant noch eine Ehrenrunde zu kochen, bevor ich mein Essen endlich zu mir nehmen kann. Das Nachtessen am nächsten Tag verläuft dann, vermutlich auch wegen meiner australischen Bekanntschaft vom Boot, nicht mehr ganz so scharf und somit entfällt auch die Ehrenrunde fürs Restaurant.
Da das ganze hier sehr touristisch ist und ich schöne Seiten der Kerala Backwaters nun gesehen habe beschliesse ich nach einem Ruhetag gleich weiter nördlich nach Cochin zu reisen.
Cochin, 28. - 30. Januar
In nur 1.5 Stunden fahre ich wiederum in einer luftgekühlten Klapperkiste nach Cochin und gleich beim Busbahnhof finde ich ein super tolles Hotel, das erst letztes Jahr renoviert wurde. Nach einigem Wehklagen wegen dem Lärm (das Dauerthema für mich in indischen Hotels wegen völlig unzureichend lärmdämmenden Fenstern) werde ich auch noch für einen grosszügigen Rabatt in ein besseres Zimmer mit dem Namen Deluxe umplaziert.
Cochin ist in einigem etwas vom üblichen indischen Städtechaos weg, hat eine schöne Meerespromenade, ist weniger schmutzig, hat einige Malls etc. So geniesse ich denn trotz sehr heissen Temperaturen bis 35 Grad einige schöne Tage und besuche auch das alte historische Fort Cochin (mit englischem, holländischen und portugiesischem Einfluss), das nur eine nette Bootsfahrt von der Stadt entfernt liegt.
Munnar, 30. Januar - 3. Februar
Endlich geht es heute in die Berge zum Abkühlen, mit dem Bus fahre ich ins 1500 m hoch gelegene Munnar, das auch als Teeanbaugebiet bekannt ist. Mit der Abkühlung haben die es aber ernst gemeint hier oben, denn nachts wird es echt kalt und so muss ich mir sogar eine zweite Wolldecke ordern, damit ich die Nacht einigermassen überstehe. Am Tag wird es dann aber wieder schön warm und so miete ich mir ein Motorrad und fräse damit in der Gegend rum, sprich vor allem durch Urwald, Eukalyptuswälder und natürlich unzähligen, wunderschön in den Hügeln gelegenen Teeplantagen. Obwohl das Motorrad schon mehr als in die Jahre gekommen ist und in der Schweiz nicht mal von weitem die MFK Kontrolle bestehen würde fühle ich mich wie früher als kleiner Junge und geniesse das tolle Gefühl, mit einem Motorrad unterwegs zu sein.
Cochin, 3. - 6. Februar
Nach einigen Tagen der Abkühlung geht es heute wieder zurück nach Cochin, denn morgen gibt es einen Blitzbesuch meiner Kollegin Anita, die ich vor 2 Jahren auf meiner Reise durch Myanmar kennengelernt habe. Das heisst für mich einige Tage länger in diesem heissen Cochin zu schmoren, aber glücklicherweise gibt es ja genügend nette Orte wie gekühlte Restaurants, eine luftige Meerespromenade oder eine nette sunset cruise (sorry wie heisst das geschickt auf Deutsch ?), um Erinnerungen aufzufrischen oder sich sonst über Allerlei zu unterhalten. In den Diskussionen mit meiner Kollegin, die leidiglicherweise immer noch im Arbeitsprozess feststeckt und zu ihrem täglichen Output genötigt wird, um sich solche Fluchtmöglichkeiten wie diese Reise nach Indien finanzieren zu können, wird es mir wieder so richtig vor Augen geführt, wie weit das Ganze für mich bereits schon entfernt ist aber auch, wieviele Jahre ich selbst nutzlos in diesem Hamsterrad verbracht habe und gerannt bin wie verrückt, um am Abend doch nur wieder dort zu landen, wo ich am Morgen begonnen habe. Mir ist es ja wohl bewusst, auf welch hohem Niveau ich klage, denn wenn ich jetzt zum Fenster rausschaue während ich diese Zeilen schreibe, sehe ich fast nur Leute, denen nichts anderes übrigbleibt, als das ganze Leben hart für jede einzelne Rupee zu kämpfen, um ein nur halbwegs anständiges Leben verbringen zu können und ihren Kindern zumindest einen Start ins Leben zu ermöglichen, der nicht schlechter ist als ihr eigener war. Aber es macht wohl keinen Sinn Vergleiche zu machen, ebenso wie es keinen Sinn macht, Parallelen zwischen dem Christentum und dem Hinduismus zu finden. Am Schluss ist es ja eh nicht wichtig was, wieviel oder für wieviel man es gemacht hat sondern nur warum, wie bewusst und wie echt man es gemacht hat.
Ah ja und dann noch dies: Als Anita und ich zur Feier des Tages am Samstag Abend noch ein Bier in der hoteleigenen Bar zusammen drinken wollen, wird uns ohne Grund schlicht und forsch der Zugang verweigert. Nachforschungen haben dann ergeben, dass es für Anita schlicht zu gefährlich gewesen wäre, sich als Frau in dieser Bar unter lauter angeheiterten und triebdruckgestauten Indern zu befinden. So müssen wir unser Bier dann halt notgedrungen im Zimmer zu uns nehmen. Übrigens geht das in gewissen Restaurants, wo Alkohol ausgeschenkt werden darf (was in Indien eine Seltenheit ist) sogar so weit, dass sogar die Rauchräume geschlechtergetrennt sind. Wo käme man denn hin, wenn sogar die Männer den Frauen eins blasen würden ?
Mettupalayam, 6. - 7. Februar
Nach schönen Tagen in Cochin trennen sich die Wege von Anita und mir wieder und ich fahre mit dem Zug Richtung Berge nach Coimbatore. Dann hat es mich wieder im indischen Chaos erwischt: Da ich heute noch weiter nach Mettupalayam will, dem Startort der Zahnradbahn nach Ooty, versuche ich ein Zugticket zu kaufen. Da heute Sonntag ist verkehren jedoch keine Züge dorthin. Die Busstation gemäss Reiseführer gibt es nicht mehr und so muss ich mich durch eine Unzahl von Leuten ohne Englischkenntnisse kämpfen, bis ich endlich im Stadtbus sitze, der mich an den neuen Busbahnhof bringt. Da der Fahrer verschlafen hat warten wir halt eine halbe Stunde in der Hitze, bis der Bus endlich fährt. Der Rest geht dann flink und so komme ich noch zu einem geruhsamen Abend in diesem Mettupalayam.
Ooty, 7. - 9. Februar
Da dieses von den Engländern gebaute Bähnchen, das mich ins 2200 m hoch gelegene Ooty bringen soll, sowohl bei indischen als auch ausländischen Touristen sehr beliebt ist und für einmal keine Platzreservation möglich ist, muss ich mich leider bereits schon um 0530 in die Warteschlange einreihen, um noch ein Ticket zu ergattern. Nachdem das geschafft ist, gilt es nochmals, in einer anderen Warteschlange zu warten, bis um 0600 die Türen des Zuges geöffnet werden. So gondle ich denn um 0700 los und die Dampf-Zahnradbahn benötigt für die 47 km lange Fahrt mit einem Höhenunterschied von knapp 2000 m volle 5 Stunden. Dafür kostet die Fahrt in dieser World Heritage Site auch nur unglaubliche 8 Rupees, das sind geschlagene 18 US-Cents ! Die spinnen die Inder !
Von diesem so berühmten Ooty bin ich eigentlich etwas enttäuscht, denn das kleinere und gemütlichere Dorf Munnar hat mir bei weitem besser gefallen als diese geschäftige Stadt in den Bergen (sprich Teehügel). Das einzig Bemerkenswerte ist die Entdeckung, dass die Schokolade selber herstellen. So decke ich mich zünftig mit schwarzer Nussschokolade ein (verblüffenderweise auch absolut nicht scharf), die man offen aus dem Regal kauft. Nur die letzte Sorte im Gestell, die als "magic chocolate for the man" angepriesen wird, macht mich stutzig. Auf Nachfrage stellt sich dann heraus, dass dieser Schokolade Viagra beigefügt wird. Na ja die Inder.....
So mache ich mich nach einem gemütlichen Tag und 2 arschkalten Nächten (ich denke, das wird in etwa dem Schweizer Durchschnitt ähneln) wieder auf den Weg runter nach Mysore.
Mysore, 9. - 11. Februar
Im Bus mit dem verlockenden Namen "Ultra Deluxe AirBus" (auf Deutsch ist das eine alte Klapperkiste mit Durchzug und mehr Beinfreiheit) geht es heute wieder runter in die Wärme, nämlich ins wegen seines Maharadschapalastes berühmte Mysore (sprich meisoor). Unterwegs durchqueren wir noch zwei der unzähligen Tiger Reservate. Leider lassen sich diese Viecher nicht vom Reisebus aus erspähen, immerhin sichte ich eine weissgepunktete Hirschkuh mit ihrem Kitz, mehrere unterschiedliche Affenherden sowie 6 wilde Elefanten. Die Landschaft ist ebenso toll, es erinnert mich stellenweise stark an die Masai Mara in Kenia.
Am nächsten Tag gehe ich natürlich schnurstracks zum Maharadschapalast, der mich von aussen durch seine Grösse und Bauweise stark an ein Märchenschloss erinnert und mich auch wirklich begeistert. Das Innere kann dann meinen Erwartungen leider nicht mehr ganz genügen, denn da der alte Palast niedergebrannt ist, steht heute an seiner Stelle ein nur etwa 100 Jahre alter Wiederaufbau und der kann es bei weitem nicht aufnehmen mit den wirklich atemberaubenden indischen Baudenkmälern aus der Mughalzeit oder von den Jains. So ist denn meine Besichtigung auch schnell einmal zu Ende und ich merke, wie sehr ich mich auf Goa freue, das heisst an Märsche entlang des Meeres (ohne Lärm, Hupen und Gestank) und an endlich mal gutes und für meinen Geschmack geeignetes Essen (und nicht nur diese heftigen Saucen, die aussehen wie vorverdaut und einen Nachbrenner von etwa einer Stunde haben) ! Mit anderen Worten, ich bin etwas reisemüde.... Hoffentlich passiert mir das nicht auch in Hampi, das von so vielen so begeistert geschildert wird...


1-3: Tempel in Madurai
4-8: In den Kerala Backwaters
9-12: Munnar
13-17: Ooty
18-19: Maharadschapalast in Mysore
Man könnte eigentlich meinen, dass bei soviel Reiseerfahrung auch eine gewisse Routine in die ganze Vorbereitung vor dem Abflug kommt: Nicht so bei mir, denn trotz detailliertester Packliste beschleicht mich sofort nach Schliessen der Wohnungstür das drängende Gefühl, irgend etwas Wichtiges vergessen zu haben. So wird denn auch der Taxifahrt durch das abendliche Verkehrsgewühl in Manila vollständig dem Thema gewidmet, was ich denn dieses Mal vergessen haben könnte, obwohl mir ehrlicherweise noch gar nie etwas solchiges passiert ist. Erst nach dem Check-In im Flughafen löst sich langsam die Beklemmung, weicht der Gewissheit, dass trotz der nur 9.4 kg meines Sackes alles dabei ist, was ich für meine 3-monatige Reise alles brauche und der gemütlichere Teil der Reise beginnt, nämlich die Vorfreude, wie ich Indien wohl diesmal erleben werde und was mich wohl Spannendes erwarten wird. Nun gilt es nur noch, die Pflichtübung von 2 Flügen mit sogenannten no-frills airlines hinter mich zu bringen, eine Nacht in Kuala Lumpur zu übernachten und dann lande ich endlich in diesem unglaublichen Land, das weltweit mit nichts anderem vergleichbar ist und Kalkutta öffnet mir seine Pforte !
Eins kann ich gleich vorwegnehmen: In den nächsten 3 Monaten werde ich keinen Tropfen Regen sehen, der Himmel wird fast immer wolkenlos und sternenklar sowie die Temperaturen meist in einem sehr angenehmen Bereich sein. Also dann mal rein ins Vergnügen !
Kalkutta, 16.-21. Dezember
Willkommen in Indien, dem buntesten, abwechslungsreichsten, schillerndsten und krassesten Kaleidoskop an menschlichen Kreaturen, das man sich auf Erden wohl vorstellen kann !
Bereits am ersten Tag zieht es mich tief rein: Beim Spazierengehen gerate ich mitten in einen hinduistischen Umzug, wo mir niemand der Angefragten sagen kann, wegen welchem Gott oder zu welchem Zweck dieses Fest veranstaltet wird. Mitten in dieser Menge kommt mir eine Leichenprozession entgegen, wo der Leichnam für alle gut sichtbar durch die Strassen gefahren wird. Das Ganze ist angefüllt mit abertausenden von kunterbuntesten Menschen, die dem ganzen beiwohnen. Wenn das so weitergeht .....
Die nächsten Tage sind angefüllt mit Besichtigungen, langen Spaziergängen und sorgfältiger Akklimatisation an diese verrückten kulturellen Gegebenheiten. So besichtige ich unter anderem auch die Wirkungsstätte Mutter Theresas, wo ich mit einer der altgedienten Schwestern ein interessantes Gespräch über den Sinn des Lebens habe. Kalkutta ist eigentlich gar nicht so extrem, wie ich mir das vorgestellt habe. Es kann aber auch sein, dass ich durch mein Leben in Manila schon etwas abgestumpft bin. Auf jeden Fall liegen auch nicht mehr Leute auf der Strasse rum als in Manila und allgemein sind die Unterschiede nicht so gross. Selbst bei den Autoabgasen punktet Kalkutta, nur der in den Augen stechende und beissende Nebel, der am Abend in den Strassen liegt und von den unzähligen offenen Feuern stammt, ist schlimm. Hierbei punktet Manila. Auf jeden Fall ist mein indischer Wiedereinstieg vollauf geglückt und ich freue mich auf meine nächsten 3 Monate hier in Indien, die mich so etwa der Ostküste entlang runter und an der Westküste entlang hoch bringen sollen. Am Schluss sollte ich dann wieder in Kalkutta landen, von wo aus ich wieder zurückfliegen werde. So jedenfalls mein Plan...
Puri, 21. - 25. Dezember
So mache ich mich von Kalkutta aus auf meine erste Etappe südwärts, und zwar klassisch indisch im Zug ins 7 Stunden entfernte Puri, das im Bundesstaat Orissa direkt am Meer liegt. Somit ist auch die Länge der Reise verglichen mit den Distanzen in Europa bestenfalls mit einer Vorortsstrecke zu vergleichen.
Doch auch in Indien ist Vorweihnachtszeit und viele zieht es zu den Liebsten in die Provinz. Viele in Indien meint sofort Millionen und so teile ich denn auch den riesigen Howrah Bahnhof in Kalkutta mit abertausenden von Indern, alle turmhoch mit Schachteln und sonstigen abenteuerlichen Behältnissen beladen. Nach einigem Durchfragen und Überwindung finde ich auch meinen Zug. Auch im harten Kampf um den letzten Quadratzentimeter Stehfläche bin ich nicht involviert, denn gottlob habe ich einen reservierten Sitz. Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass sich nach nur 7 Minuten Verspätung der Zug bereits in Bewegung setzt. Haha wenn ich denke, was für einen halben Volksaufstand in der Schweiz deswegen ausbrechen würde.... Im Fahrpreis von USD 14 eingeschlossen sind ein Zvieri und ein wirklich reichhaltiges Nachtessen, ebenso wie die am Schluss standesgemässe Verspätung von 1 Stunde und 20 Minuten auf die geplante 7 stündige Fahrt...
Der Strand hier ist sehr grosszügig und die beeindruckenden Wellen entsprechen durchaus internationalen Ansprüchen - doch wie soll ich sagen, wir sind halt in Indien: das heisst, ein unglaublicher Dreck überall; kein nur halbwegs anständiges Strandlokal, sondern nur solche halbverfallenen Essbaracken; Leichen, die direkt neben der Strandpromenade verbrennt werden und dank fehlendem Brennmaterial ihre Extremitäten für alle gut sichtbar von sich strecken und einen netten süsslichen Geruch von verbranntem Fleisch verbreiten; Kühe, die überall hinscheissen; unglaublich verwahrloste Bettler, die sich kaum noch bewegen können etc..... Wer aber meint, dass das schon der Höhepunkt ist, war noch nie in Indien. Direkt an den Touristenstrand angrenzend ist das Fischerdorf und sowas habe selbst ich noch nie gesehen ! Die Leute leben schlicht inmitten von Abfallbergen und wer meint, dass sich die am Strand einfach so hinhocken um sich auszuruhen der hat sich getäuscht, denn die machen tatsächlich ihr Häufchen inmitten aller Menschen, den frischen Fischen, die verkauft werden und sonstigen Abfällen. Junge Mädchen und alte Männer hocken sich beidermassen hin und scheissen vor aller Augen mitten auf den Strand ! Unglaublich ! Wie die Hunde ! Da verbreitet selbst der eigentlich romantische Sonnenuntergang alles andere als eine romantische Stimmung sondern nur den Entschluss, dieses einfach nicht mehr sehen und riechen zu müssen. So finde ich denn am Touristenstrand grad rechtzeitig zum Sonnenuntergang einen Stuhl, um mich, eingepackt in meinen Pullover, vom Gesehenen erholen zu können.
Eine andere Dimension hat denn aber der aus dem 12. Jahrhundert stammende Sonnentempel von Konark, der mit eindrücklichen erotischen Darstellungen aufwartet und mir so am nächsten Tag einen ersten touristischen Höhepunkt meiner Indienreise beschert.
Leider muss ich meine kurz zuvor geschmiedeten Reisepläne schon verschieben, denn ich bin offensichtlich nicht der einzige, der Sylvester am Strand verbringen will und daher sind auch alle Hotels im romantisch tönenden Visakpatnam hoffnungslos ausgebucht. So versuche ich halt mein Glück in dem im Landesinneren gelegenen Hyderabad und tatsächlich finde ich noch einen Flug. Das heisst aber, dass ich 4 Tage in einer unbekannten indischen Kleinstadt namens Bhubaneswar mit etwas mehr als 1 Million Einwohnern verbringen muss.
Bhubaneswar, 25. - 29. Dezember
Mit Zufall und Hartnäckigkeit finde ich in dieser Hauptreisezeit für Inder im zweiten Anlauf ein mir nachts noch ruhig erscheinendes Hotel. Doch als ich erst nach einer Reklamation wegen Ruhestörung nachts um 2 schlafen kann bevor der Morgenlärm wieder hereinbricht, wechsle ich am anderen Tag mein Zimmer mit Hoffnung auf einen geruhsameren Schlaf. Das ist dann auch schon der Höhepunkt neben geruhsamen Lesens auf der Dachterrasse in dieser sonst so gesichtslosen, furchtbar umtriebigen, armseligen und schmutzigen Stadt. So langsam sehe ich die riesigen Probleme, die Indien im Vergleich zu China noch vor sich hat, um mit dem Wachstum die unzähligen Infrastrukturprojekte zu finanzieren um auch grossflächig Resultate zu erzielen. Hier ist natürlich China mit seiner straffen und fokussierten Regierung sowie einer Mentalität von Leuten mit ganz wenig kulturellem Ballast deutlich im Vorteil. Haben doch auch gerade wieder die Commonwealth Games gezeigt, dass die paar wenigen, hervorragend ausgebildeten IT Spezialisten von Bangalore und Hyderabad in einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen noch keinen grossen Umschwung zustande bringen können. Die Regierung auf den verschiedenen Ebenen ist hier leider auch nicht viel weiter als auf den Philippinen und beschäftigt sich hauptsächlich mit den unzähligen Betrugs- und Korruptionsvorwürfen an seine Volksvertreter und nicht mit für das Land so zentralen strategischen Fragstellungen und Lösungen. So findet man auch heute noch überall eine Infrastruktur und Gesetze an, die den mittleren Level eines 3. Weltlandes noch nicht verlassen haben.
Hyderabad, 29. Dezember - 3. Januar
Ungewöhnlich für mich zu reisen leiste ich mir einen Flug, aber auch nur, weil am Jahresende alle Züge hoffnungslos ausgebucht sind und selbst in der Warteliste wäre ich auch nur auf Platz 52 erschienen. So bin ich flugs in Hyderabad und verbringe hier ein paar Tage in einer Stadt ohne viele Sehenswürdigkeiten, einem äusserst betriebsamen Muslim Markt, besuche Cyberabad und quäle mich durch ausnahmslos indisches Essen, denn ausländische Touristen gibt es schlicht wenig. Waren es beim Essen in Taiwan ausschliesslich Sprachschwierigkeiten so sind es hier unterschiedliche Bedeutungen: wenn ich "absolutely not spicy, zero spicy !" bestelle kommt in der Regel ein Essen, das meinen Mund schon ganz schön feuern lässt: Sandwiches, Käse, harmlose Suppen, Beef Parmigiana, Gebäck - sprich eigentlich alles - ist hier mit diesem Teufelszeug gefüllt, das den Mund brennen und mir den Schweiss aus den Poren laufen lässt. Bei denen ist offensichtlich der Mund schon derart ausgebrannt, dass die gar nicht mehr zwischen mild und nicht scharf unterscheiden können. So gibt es halt sowohl zum Nachtessen wie zum Frühstück feine langweilige Käsesandwiches.
Bangalore, 4. - 7. Januar
Meine Reise führt mich im Nachtzug weiter nach Bangalore. Doch bereits im Vorfeld schwahnt es mir, dass ich den falschen Zug gebucht habe, denn der ist bereits schon in Delhi gestartet, und das heisst in Indien in der Regel Verspätung ! Tatsächlich ist es denn auch so und mit mehr als 4 Stunden Verspätung tuckern wir aus dem Bahnhof. Nur erstaunlich, wieso dass dies ein Zug ist, der sich berühmt "Superfast Express" nennt..... Bangalore selbst lässt mich nach den vielen indischen Städten, die ich schon gesehen habe, schon erstaunen, denn bis auf den krankhaften Verkehr und der Huperei ist alles anders: Nette Gehsteige, praktisch kein Dreck der herumliegt, grosse Grünflächen, moderne Läden und Shopping Centers, saubere und gepflegte Leute. Was für eine Erholung, etwas anständiges zu essen, am Nachmittag im Cafe zu sitzen und einen Cappuccino zu schlürfen und danach nicht durch tonnenweise stinkenden Müll zurück zum Hotel zu laufen. Vielleicht werde ich auch einfach nur älter und die über 3 Jahre in Manila zeigen ebenfalls ihre Wirkung....
Sonst gibt es auch hier touristisch wenig zu erkunden ausser dem grössten IT Center von Indien, aber das sind von aussen auch nur Glastürme, wie man sie überall auf der Welt findet.
Chennai, 7. - 11. Januar
So mache ich mich denn bald wieder auf den Weg Richtung Küste nach Chennai, dem frühreren Madras im Bundesstaat Tamil Nadu. Chennai ist wieder so das richtige Indien mit allem Lärm und Chaos, wie ich das mittlerweilen schon zur Genüge kenne. Erstaunlicherweise finde ich in all diesem Gewimmel sogar noch ein geruhsames und klimatisiertes Restaurant, das westliche Speisen serviert und ich wiedereinmal mehr auf das scharfe indische Essen verzichten kann. Der Nachteil ist nur der, dass es ein absolut typisches amerikanisches Restaurant ist, wo sich der amerikanische Küchenchef brüstet, vorher "Chef" in einem McDonalds gewesen zu sein. Gottlob ist aber das Essen etwas geniessbarer und so wird denn dieses uramerikanische Restaurant meine kulinarische Oase hier in Chennai. Touristisch bietet dieses Stadt auch nicht so besonders viel und so nehme ich bald wieder den Bus nach Puducherry.
Puducherry, 11. - 15. Januar
Etwas erstaunt bin ich dann schon, als ich für eine fast 4 stündige Reise einen der wenigen klimatisierten Busse besteige, der exakt so gebaut ist wie ein westlicher Stadtbus. So ist denn die Fahrt noch ganz gemütlich bis ich in einer für Indien sehr seltsamen Stadt ankomme, die eine frühere französische Kolonie war und auch heute noch neben den vielen französischen Touristen sehr französisch wirkt. Das heisst aber auch, dass in diesem französischen Viertel der Verkehr massiv reduziert ist und so beginnt für einmal der ganz normale indische Wahnsinn nicht gleich am Hoteleingang und der Tag startet mit Baguette und Croissant.
Verkehrstechnisch hat es mich hier aber wieder voll erwischt, denn die Tamilen feiern ihr Sylvester am 14. Januar. Die Konsequenz ist aber wieder dieselbe, nämlich ausgebuchte Hotelzimmer und überbuchte Züge. So bleibe ich denn halt einfach noch etwas länger in meinem Zimmer mit wunderschönem Meerblick und geniesse es, den Wellen zuzusehen und zu -hören.
Tiruchirappalli, 15. - 17. Januar
Meine nächste Etappe führt mich in die Hauptstadt von Tamil Nadu, nach (siehe Titel), die aber gottlob kürzer und weniger kompliziert auch als Trichy benannt ist und das macht es mir bedeutend einfacher, mein Reiseziel für die des Englisch nicht mächtigen Busangestellten fehlerfrei auszusprechen. So gondle ich denn im unklimatisierten Bus Richtung meines heutigen Zieles und bezahle für die 5 stündige Fahrt sage und schreibe nicht mehr als USD 1.30 ! Das ist asiatischer Rekord ! Da ich beim Einsteigen auch einer der Ersten bin, kann ich mir sogar einer der wenigen Sitze mit genügend Beinfreiheit sichern !
Dieses Stadt besticht vor allem durch den höchsten Hindutempel in Tamil Nadu sowie durch eine riesige Tempelanlage, die eigentlich eher einer kleinen Stadt denn einem Tempel gleicht. Ansonsten ist diese Stadt wieder Indien pur !


1: Karte von Indien mit der Reiseroute
2-6: Kalkutta
7-8: Puri
9-10: Sonnentempel in Konark
11-14: Hyderabad
15-17: Trichy