02 February 2016

72. Argentinien/Chile 1



Flug nach Buenos Aires
Nach einer etwas längeren Durststrecke geht es wieder mal auf grosse Reise: Ich möchte mir vor allem mal Patagonien und Feuerland anschauen und was sich sonst noch so ergibt auf meinem 3 monatigen Trip nach Argentinien und Chile. Nach einer längeren Suche ist dann auch die Fliegerei unter Dach und Fach: In meinem bisher längsten Flug geht es in 28 Flugstunden (!!, zurück noch etwa 2 mehr) von Cebu direkt nach Hong Kong und von dort via Dallas nach Buenos Aires. Gottlob ist die Sitzerei, sprich die Liegerei in American Airlines (es gab bei weitem nichts günstigeres...) besser als befürchtet und so komm ich dann mit einer 11 stündigen Zeitverschiebung und einer Fliegerei durch 2 Nächte bei nur 1 Tag Verlust mehr oder weniger lebendig in Buenos Aires an. Leider unterscheidet sich das Kilma hier nur unwesentlich von der Schweiz, denn es ist kühl und regnerisch....

Buenos Aires, 29.Oktober -  3. November
So mache ich mich in den nächsten Tagen auf Erkundungstour in dieser berühmten Stadt und muss feststellen: Buenos Aires ist eine bescheidenere Variante aus einer Mischung von Madrid mit etwas Paris…Das Fleisch ist zwar wirklich toll, es gibt eine Unzahl von Theatern, die Leute sind nicht ausgelassen aber doch lateinisch freundlich....Nur das Geld ist eine Geschichte für sich, denn man muss sich die Pesos in irgendeiner schummrigen Bude holen um den Wechselkurs des Schwarzmarktes (der hier höflich “dolar blue“ heisst) zu erhalten, der happige 60 bis 70 % über der offiziellen Rate liegt. Dafür liegt jetzt noch mehr dieses saftigen Fleisches drin und ich kann mir getrost mein Ziel formulieren, bis zum Ende der Ferien ein ganzes Rind verzehrt zu haben....

Gespannt mache ich mich dann nach 5 Tagen auf meine erste von noch vielen weiteren Busfahrten: In 19 Stunden soll es ins südlich gelegene Puerto Madryn gehen.....Im riesigen Busterminal finde ich dann nach einer überwältigenen Anzahl von Busgesellschaften auch mein Ticket und auf einem der 75 ! Terminals auch tatsächlich meinen Bus. Also der Bus ist der Hammer und mein Sitz noch mehr: Für etwas mehr Geld (dolar blue sei Dank) reise ich wie ein Fürst in der ersten Klasse mit eigener Bedienung und warmen Mahlzeiten mit Wein und Champagner....Nur doof dass wir in einem lateinischen Land sind und daher das Nachtessen erst kurz vor 11 serviert wird....Die Landschaft hat es natürlich auch in sich: Nach 60 Kilometern schon öde, unbewohnt und flach....Am anderen Morgen und weiteren 1400 Kilometern: öde, unbewohnt und flach... Für einmal bin ich denn nicht fasziniert vom regelmässigen Landschaftswechsel wie beispielsweise in Neuseeland, sondern von dieser überwältigenden Eintönigkeit und dem immer weiten Blick bis an den Horizont.... So komm ich denn am anderen Morgen auch ziemlich fit und ausgeschlafen von meiner Nacht in meinem wirklich flachen Bett in Puerto Madryn an, das sich wie eine Fata Morgana aus diesem landschaftlichen Nichts hervortut. Die Stadt mit 50'000 Einwohnern ist denn auch alles andere als spektakulär, nur wenn ich mir überlege dass es Stunden durch das Nichts sind bis man ins nächste Dorf kommt ist das doch sehr speziell.

Puerto Madryn, 4. – 7. November
Als ich dann nach dem Einchecken im Hotel zu Fuss der Promenade entlang wandere auf der Suche nach etwas Essbarem sehe ich auf dem Meer, zum Teil nahe der Küste, diese verdächtigen Wasserfontänen aufsteigen, die...ich glaube es ja nicht, tatsächlich von Walen stammen. So wird denn das mit dem Mittagessen erst mal nichts und ich laufe eiligst und warm eingepackt über den Pier bis zuvorderst und da seh ich an mehreren Stellen Wale...Ein unglaubliches Gefühl...Gemäss der Saison soll es sich dabei um Mütter mit ihren Jungen handeln, die sich vor der Reise in die Antarktis noch so richtig vollfressen, sprich mit vollfetter Milch vollsaufen....nach dem Motto: ohne Tonnen keine Wonnen....

Eine Spezialität taucht hier auf, die mich durch ganz Patagonien begleiten wird: Im Supermarkt gibt es aus ökologischen Gründen keine Plastiksäcke (soweit bin ich ja noch einverstanden), jedoch auch überhaupt keine anderen Säcke oder Schachteln !! So sieht man denn Leute aus dem Supermarkt kommend und die Einkäufe auf den Armen oder sonstwo balancieren... An einem anderen Ort stehen fliegende Händler an der Türe und verkaufen spezielle Säcke.. Mich macht das noch immer ärgerlich wenn ich daran denke...Ein Einwohner meint dazu lapidar: la mentalidad....

Am nächsten Tag mache ich einen organisierten Ausflug auf die Peninsula Valdez, die bekannt ist als Tier- und Naturparadies. So machen wir dann erstmals eine Bootsfahrt und machen fotografische Jagd auf die Wale, was natürlich echt faszinierend ist. Nur Wale zu fotografieren ist sehr frustrierend, denn bis der Kopf endlich schaltet dass man den Auslöser drücken soll, da sind die Wale schon wieder weg ! Weiter gehts an Guanakos, Eulen, Nandus, Magellan Pinguinen und See Elefanten vorbei. Beim Besuch der Pinguin Kolonie wenden sich plötzlich alle Blicke von den niedlichen Magellan Pinguinen ab auf den nahegelegenen Kanal, in dem doch tatsächlich 7 bis 10 Orcas oder Killerwale in 3 Gruppen an uns vorbeischwimmen. Eine absolute Seltenheit selbst für unseren so erfahrenen Führer, der für einmal selbst seinen ununterbrochenen Redeschwall (ich bin der einzige Nicht Spanisch Sprechende in der Reisegrupe) für einige Minuten aussetzt und ebenfalls gebannt aufs Meer starrt wie die Tiere an uns vorbeiziehen...Mir tun nur die putzigen Pinguine leid, die direkt vor uns brüten und keines Blickes mehr gewürdigt werden...

Rio Gallegos, 8. – 9. November
Nun gehts wirklich in den Süden, nochmals weitere etwa 1400 Kilometer sogar im selben Super Luxus Bus wie letztes Mal. Diesmal wird es aber noch extremer: natürlich ist es wieder öde, unbewohnt und flach aber innerhalb von geschlagenen 7 Stunden kommt keine Stadt, kein Dorf, kein Weiler, kein gar nichts ausser das unendliche Nichts der patagonischen Ebene... und das bei Reisegeschwindigkeit des Busses auf einer schönen geteerten Strasse absolut ohne Verkehr....Wahnsinn !

Am nächsten Morgen kommen wir wieder mal in einer Stadt namens Rio Gallegos an, die bereits schon südlicher als jede andere Stadt der Welt liegt und in der ich als Erholung eine Nacht verbringe. Wie stellt man sich eine katholische Stadt am Ende der Welt an einem Sonntag vor....natürlich leer und einsam....gottlob finde ich dann neben einer tollen Unterkunft ein schönes Steakhouse, wo ich mich gütlich tue um meine Pflicht zu erfüllen, bis Ende der Ferien mein Rind verzehrt zu haben....

Eine weitere Spezialität aller patagonischen Städte sehe ich hier zum ersten Mal: Die wirklich tollsten aller Strassenhunde, die man sich vorstellen kann: Hier tummeln sich Huskys, deutsche Schäferhunde, Kampfhunde und weiteres in den Strassen und alle Hunde warten sehnlichst darauf, dass man sie würdigt, streichelt oder sogar mitnimmt...also wer hier nicht zum Hundefan wird.....Nur leider wohn ich nicht hier und so belasse ich es, diesen häufig sehr struppigen Gesellen durch ihr dichtes Fell zu kraulen. Wie die allerdings auf die Strasse gekommen sind male ich mir lieber nicht aus....

Ushuaia, 9. – 14. November
So jetzt wird es spannend, es folgt am nächsten Morgen die südlichste Busfahrt der Erde in die südlichste Stadt der Welt namens Ushuaia in Feuerland oder wie das so schön heisst in Spanisch: Tierra del Fuego….Der Buskomfort für die nächsten 11 Stunden ist leider etwas kleiner als bis anhin doch immer noch aushaltbar, davon die ersten 10 Stunden wieder öde, unbewohnt und flach....Die 3 Grenzkontrollen für die beiden Übergänge von Argentinien nach Chile und wieder zurück machen das ganze immerhin etwas unterhaltsamer....Dazu gesellt sich noch eine nette Begleitung aus dem deutschen Nachbarland..Was will man mehr hier unten...Dann kommen erstmals Berge in Sicht, die letzten Ausläufer der Anden, und erst noch schneebedeckt....bis dann Ushuaia wiederum aus dem Nichts auftaucht und erst noch glänzt mit einer tollen Einkaufsstrasse, so dass man sich hier alles andere als am Arsch der Welt vorkommt. Eines der Highlights ist dann aber eines dank Facebook Chat ermöglichten unglaubliches Zusammentreffen mit einem Schweizer Freund, den ich aus den Philippinen her kenne ! Wahnsinn !! Wir laufen dank des immer vorherrschenden böigen eiskalten Windes dick eingepackt durch diese 50'000 Seelen Stadt und wenn man sich dank Google Earth vor Augen führt wo man sich eigentlich befindet werde ich doch etwas konfus und unsicher, ob das denn nicht eine tiefgekühlte Fata Morgana ist...Das Pieken in meine eiskalte Nase und der ständig starke böige Wind von den hinter der Stadt gelegenene Schneebergen belehrt mich dann aber doch eines anderen...



das ist ein Grill Restaurant...

hier liegt sie, die gute Evita....

am Strand von Puerto Madryn

ja es ist ein Wal....

scheu und stolz....

ein niedlicher Magellan Pinguin

Liebe unter Seeelefanten....

mein Luxusbus

Landschaft unterwegs....

auf der Fähre über die berühmte Magellanstrasse

Ushuaia

Ushuaia

Ushuaia

Ushuaia

Ushuaia

ohh so kalt und windig....

im Tierra del Fuego Nationalpark


das südlichste Strassenschild der Erde

die Abfahrt von Ushuaia
 
ein Guanako am Wegesrand

09 September 2015

71. Schweiz



Nach 3 Jahren geht es erstmals wieder in die Schweiz. So lange war ich noch nie von meiner alten Heimat weg und ich bin natürlich mehr als gespannt, wie das rauskommen wird. An meinen vielen Besuchen von Freunden und Verwandten soll es ja nicht liegen, denn auf die freue ich mich natürlich besonders, jedoch bin ich mir da mit meinen zum Teil sehr engstirnigen und kleinbünzligen Schweizern nicht so sicher. Immerhin komme ich ja bereits nächstes Jahr wieder in die Schweiz auf den Jakobsweg, denn bis dann ist meine Achillessehne wieder genesen.

So mache ich mich voller Vorfreude und gespannter Erwartung auf den Flug, zuerst für einige Tage nach Manila und dann über Abu Dhabi in die Schweiz.
Immerhin ist für einmal das Wetter bei der Landung nicht wie üblich (neblig, Schneeregen, 5 Grad), sondern es ist sonnig und klar. Hoffentlich ist das wenigstens ein gutes Omen. Als mich dann noch ein Kollege am Flughafen abholt und mir für die nächsten 2 Monate seinen riesigen Schlitten zur Verfügung stellt, sind immerhin mal die Vorzeichen auf Positiv gestellt. Meine Wohnung in Niederhasli ist auch toll und so werde ich mir bewusst, dass ich nach 3 Jahren vor allem in Asien hier an einem Ort gelandet bin, der schon einzigartig ist. Jeder Quadratmeter ist gehegt und gepflegt, jedes Kleidungsstück erlesen, die Umgangsweisen ritualisiert höflich, beim Essen wird nicht geschmatzt und nur mit leerem Mund gesprochen, ja nicht jemanden anlächeln, bei allem sagt man Danke, die Schuhe und die Kleider sind sauber, nur bei Grün über die Ampel, nur so schnell fahren wie es einem erlaubt wird, nett in der Schlange warten, nein ich habe keine Supercard (danke sagen) und dann noch dies und das und noch tausend andere Sachen, die mir nach so langer Zeit komisch vorkommen, irgendwie wie aus einer anderen Welt, aber nicht aus meiner gelobten Welt, sondern aus einer Welt, in der alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und alle so nett sind, weil man es so erwartet, sofern sie denn Zeit dazu haben...

Ehrlich gesagt bereitet mir das oben gesagte bis zum letzten Tag von über 2 Monaten Schwierigkeiten und ich muss mich oft zusammennehmen, dass ich nicht allzu häufig in dieser perfekt organisierten Gesellschaft anecke....

Der Hauptteil meines Aufenthaltes in der Schweiz ist natürlich der Besuch von Kollegen und Verwandten, und jeder dieser Besuche, die über die halbe Schweiz verstreut liegen, hat mir grosse Freude bereitet, zum Teil aber auch Trauer: So konnte ich in einem Fall nur noch die Wittwe eines ehemaligen Arbeitskollegen besuchen und in einem anderen Fall ist der langjährige Lebenspartner einer Verwandten von mir während meines Besuches gestorben. Jedoch habe ich auch einen ehemaligen Kollegen aus der Lehrzeit wieder getroffen, notabene nach etwa 30 Jahren....

Daneben habe ich noch diverse meiner bekannten Berge bestiegen und ausgiebig eingekauft, so dass das grosszügige Gewichtslimit beim Einchecken beinahe überschritten wird. Kaum zu glauben, was da so alles zusammen kommt, wenn man in einem Land, in dem es alles gibt, für die nächsten 3 Jahre Provinzleben einkauft..... Die 20 Bücher sind da nur das Kleinste, so gibt es auch schon die Schuhe für den Jakobsweg im nächsten Jahr zum Einlaufen oder eine Steinschleuder inklusive Stahlkugeln im Gepäck (zur Abwehr der Strassenhunde vor meinem Haus). 

Nach knapp über 2 Monaten verlasse ich die Schweiz wieder und bin zum einen froh, dieser überbordenden Ordnungs- und Regelungswut wieder zu entkommen und zum anderen reich beladen (nicht nur mit meinem umfangreichen Gepäck) sondern auch mit tollen Erlebnissen mit meinen vielen Kollegen und Freunden !

Die nächste Zeit verbringe ich in meinem Knusperhäuschen in der Nähe von Cebu City, bevor es dann Ende Oktober wieder auf richtig grosse Wanderschaft geht mit einem einzigartigen Beginn, denn es warten 3 Flüge auf mich, die mich in gesamthaft 28 Flugstunden nach Buenos Aires bringen werden, nach so vielen Reisejahren der längste Flugtrip überhaupt...Oh je, mit grossen Bedenken tun mir schon jetzt mein Hintern und meine Beine weh, auch wenn es etwas komfortabler werden wird.... Immerhin verbringe ich dann die nächsten 3 Monate bis Anfangs Februar in Argentinien und Chile. Das einzige, was ich sicher weiss ist, dass es mich tief in den Süden ziehen wird nach Patagonien und Feuerland, das in der südlichsten Stadt namens Ushuaia mit einer aktuellen Temperatur von 0 Grad und Schneefall aufwartet.....Auf jeden Fall kommen all die warmen Sachen von meinen Nepal Treks mit ins Gepäck, wenn der Tropenvogel sich dann in diesen Gefilden tummeln wird....

So wird der nächste Bericht auch erst im Februar 2016 hier stehen. Bis dann wünsche ich meinen interessierten Lesern eine schöne Zeit, besonders den in Europa gebliebenen wünsch ich genügend Heizöl....







03 June 2015

70. Taiwan / Hong Kong


Da ich aus Rücksicht auf meine Achillessehne den Jakobsweg auf 2016 verschoben habe, habe ich nun 2 zusätzliche Monate bis zum Abflug in die Schweiz “zur freien Verfügung“. Da ich diese nicht in den Philippinen verbringen möchte, aber auch nicht so weit fliegen will, habe ich nach kurzer Zeit ein tolles Programm zusammengestellt: Ich gehe wie 2010 für 1 Monat nach Taiwan und dann nach langer Zeit (das erste und letzte Mal 1998) endlich mal wieder nach Hong Kong, das trotz der Nähe zu meinem Wohnort schon sehr lange auf meiner Wunschliste steht.

So geht es Ende April via Manila in einem kurzen Flug nach Taipei, der am nächsten gelegenen Hauptstadt von Manila ausserhalb der Philippinen. Besonders krass trifft folgender Spruch ins Schwarze: So close, but worlds apart... Trotz erheblicher Sprachschwierigkeiten schwelge ich kulinarisch wieder auf Wolke 7. Besonders Eindruck machen mir wieder die unzähligen kleinen Coffee Shops, wo zum Teil sogar der Kaffee nioch selber geröstet wird ! Was für eine Bereicherung zu den Kettenshops in den Philippinen..und was für ein geschmacklicher und kultureller Unterschied ! Himmlisch !

Ich flaniere stundenlang unter den typischen Arkaden, schaue mir die Läden an....und muss selber einen Notfall regeln, da der Bildschirm meines Laptops wegen eines Sturzes den Geist aufgegeben hat....Trotz fast vollständig fehlender Englischkenntnisse der Angestellten gelingt das Ersetzen des Bildschirmes am gleichen Tag perfekt, was bei den Leuten hier mit Einsatz, Interesse und Fachkenntnis wettgemacht wird.... ebenfalls wohltuend anders.....

Mit einer Ausnahme am Ende geht meine Reise hier in Taiwan einmal rund um die Insel den Städten nach, immer im bequemen Zug oder Bus....Dank meines Hotelbuchungsportals agoda suche ich mir tolle Hotels aus und gondle bequem um die Insel, zuerst an die Ostküste in die Städte Hualien und Taichung, die ich mit gratis vom Hotel zur Verfügung gestellten Velos erkunde....Leider bin ich aber in der Saison schon ein bisschen spät, denn es ist bereits schon ziemlich heiss und schwül.... entsprechend lange halte ich es auch auf den Velos aus, bis ich mich wieder an einem klimatisierten Ort (meistens ein Cafè) auf normale Betriebstemperatur runterkühlen lasse.

Von der Ostküste geht es dann wieder per Zug in die zweitgrösste Stadt Taiwans, nach Kaohsiung. Mein gebuchtes Hotel entpuppt sich als veritables Designerhotel. Hier sind wenigstens die Temperaturen noch angenehm und so kann ich wieder wie in Taipei den ganzen Tag in der Stadt flanieren und mir das typisch angenehme, aber doch betriebssame taiwanesische Leben gutgehen lassen. Mein Rentnertakt in diesen Städten ist nun immer derselbe: In jeder Stadt bleibe ich 4 Tage und lerne gemütlich die Orte kennen. In der nächsten Stadt Tainan ist es dann mit flanieren wieder vorbei, denn es ist markant schwüler als in Kaohsiung, und so muss ich mich wirklich von einer zur anderen klimatisierten Zone vorarbeiten, um den Tag einigermassen zu überstehen.... Gottlob sind die Geschäfte (leider aber nicht die schönen Tempel) auch immer gut gekühlt und alles (ausser das Bestellen der Gerichte) funktioniert perfekt. Leider habe ich an vielen Orten mit der Kommunikation zu kämpfen. Ein englisches Menu fehlt fast immer, so dass ich entweder auf japanische Restaurants ausweiche (die haben alle Gerichte im Schaufenster in Kunststoff modelliert) oder ich gehe mit dem Kellner durch alle Tische durch und zeige einfach auf die Gerichte, die ich gerne haben möchte. Was es dann eigentlich ist, habe ich keine Ahnung, aber bis jetzt hat das immer sehr gut funktioniert.

Mein Städtepotpurri geht dann nach einer superexklusiven Busfahrt (2 Einzelsitze pro Reihe) in Taichung zu Ende, ebenfalls eine Grossstadt an der Westküste. Von hier geht es etwas ins Landesinnere an den Sun Moon Lake (lasst euch nicht beeindrucken, für mich wars leider vor allem der Rain Lake). Alle chinesischen Tour Groups wollen sich leider auch den See zeigen lassen (weil der ist ja berühmt, drum muss man den gesehen haben) und so quäle ich mich durch die Horden der lärmenden, schmatzenden, schlürfenden und koderndern Parteigänger durch..... Als Abschluss der Reise geht es per HSR (Hochgeschwindigkeitszug) wieder zurück nach Taipei. Der Zug besticht durch ein super ruhiges Laufverhalten, aber leider scheinen die beim Interieur und der Sitzqualität ziemlich gespart zu haben, denn es fühlt sich an wie in einer Lagerhalle. Leider ist dann mein Monat in Taiwan auch schon wieder rum und mit der Absicht, mindestens bald wieder nach Taipei zu gehen um einen Kaffee zu trinken, besteige ich in Taipei die Hong Kong Airlines, die mich ins nahe Hong Kong bringt.

Obwohl es wie in Taiwan auch Chinesen sind, die in Hong Kong leben, habe ich einen ziemlich tiefgreifenden Kulturschock: Taipei ist ja auch eine Millionenstadt, aber im Vergleich zu Hong Kong wirkt sie wie eine geruhsame Provinzstadt. In Hong Kong ist alles in Bewegung, alles ist zielgerichtet und streng, nirgends gibt es eine Möglichkeit sich zu setzen und zur Musse zu kommen, überall schreien die Geschäfte (jaja Prada, Gucci, Ferragamo und all der Scheiss, sonst fast nichts...) wie eine Prostituierte: “Komm rein, benutz mich !“ um dann wieder ausgespuckt zu werden und wieder in die Hatz zu steigen nach dem nächsten Vergnügen, alles ist hektisch, alle rennen dem Geld nach um sich diesen unnötigen Fusel leisten zu können. Es gibt wirklich kaum einen Ort, an dem man sich gemütlich hinsetzen kann, selbst in einem Coffee Shop haben sie wegen den enormen Mieten einen Mindestverzehr von USD 10, in einem Stadtteil haben sie sogar Fussgängerwege abgeschafft, weil diese ja nicht produktiv sind und Geld einbringen, überall wird man von den 50 stöckigen Häusern fast erdrückt und erschlagen..... So ist dann wenigstens mein Hotel etwas ausserhalb des Trubels mit einem riesigen Pool genau das richtige nach einem Tag im Dampfbad von Hong Kong. Kurz gesagt, die Stadt und ich konnten uns in 6 Tagen überhaupt nicht anfreunden....Ich empfinde die Stadt als nüchtern und kalt (was mir bis jetzt erst in Dubai passiert ist) und mir schwant schlimmes für die Menschen, wenn 1.3 Milliarden programmierte und gesteuerte rotchinesische Parteigenossen über die Welt strömen und sich einen Deut um alles andere kümmern als den eigenen Nutzen und Profit...Schöne neue Welt.....

So bin ich denn ganz froh, als ich mit meinen vollkommen ungesteuerten Filipinos in Hong Kong in den Flieger steigen kann und für einmal ohne Umweg über Manila bis fast vor meine Haustüre in Cebu fliegen kann......Und in etwas mehr als 3 Wochen geht es ja bereits wieder los in meine alte Heimat, die noch fast nichts ahnen von der roten Welle, die bald über sie strömen wird....


Coffeeshop in Taipei, wo noch selber geröstet wird

anderer Coffee Shop in kaohsiung ebenfalls mit eigener Rösterei
Food in Taiwan

Food in Taiwan...und Kaffee




Luxusbus in Taiwan

nicht alle Taiwanesinnen leben auf grossem Fuss...

Hochgeschwindigkeitszug
 
nächtlicher Glitzer in Taipei

Strassenleben in Hong Kong
 








fast geschafft.. die Menschen sind schon fast weg...
hier zumindest schon hinter Glas....